Tor oder kein Tor?
Was im Video geschieht
Ein Spieler der Mannschaft BLAU — Nr. 77 — wirft auf das Tor von WEISS. Torwart WEISS — Nr. 96 — kann den Ball parieren, sodass dieser im Torraum auf dem Boden liegen bleibt.
Noch im Sitzen, halb hinter der Torlinie, nimmt der Torwart den Ball zunächst mit der linken Hand auf und führt ihn in die rechte Hand. Beim Versuch einer Ausholbewegung stürzt er aufgrund einer Beinverletzung nach hinten ins Tor — den Ball weiterhin in der rechten Hand.
Die Schiedsrichter unterbrechen das Spiel mit einem Time-out und erlauben nach Rücksprache mit dem Torwart zwei teilnahmeberechtigten Personen der Mannschaft WEISS das Betreten der Spielfläche zur Behandlung des Spielers — angezeigt mit den Handzeichen 15 und 16.
Nach der Versorgung muss der Torwart für drei Angriffe das Spielfeld verlassen. Ein Ersatztorwart kommt ins Spiel. Anschließend wird die Partie mit einem Abwurf für WEISS fortgesetzt.
Regeltechnische Einordnung
Ball „außerhalb des Spiels“ im Torraum
Nach Regel 6:4 gilt der Ball als außerhalb des Spiels, wenn der Torwart im Torraum Ball- und Körperkontrolle erlangt. Das Spiel wird dann mit einem Abwurf fortgesetzt.
Ebenso ist der Ball gemäß Regel 6:5 Absatz 2 außerhalb des Spiels, wenn er im Torraum auf dem Boden liegen bleibt.
In beiden Fällen gilt:
- Die Mannschaft des Torwarts ist in Ballbesitz.
- Nur der Torwart darf den Ball berühren.
- Der Ball muss durch einen Abwurf wieder ins Spiel gebracht werden.
Wann wird auf Abwurf entschieden?
Ein Abwurf wird gegeben, wenn:
- ein Gegenspieler den Torraum betritt,
- der Torwart Ballkontrolle im Torraum erlangt oder der Ball dort liegen bleibt,
- ein Gegenspieler den im Torraum rollenden Ball berührt,
- der Ball die Torauslinie überschreitet, nachdem er zuletzt vom Torwart oder einem Gegenspieler berührt wurde.
In all diesen Fällen ist der Ball nicht im Spiel. Die Spielfortsetzung erfolgt immer durch Abwurf — selbst dann, wenn zuvor ein Regelverstoß geschieht.
Ausführung des Abwurfs
- Der Abwurf erfolgt in der Regel ohne Pfiff.
- Der Torwart spielt den Ball aus dem Torraum über die Torraumlinie.
- Der Abwurf gilt als ausgeführt, sobald der Ball die Torraumlinie vollständig überschritten hat.
Fazit
In der beschriebenen Situation lag der Ball zunächst im Torraum und war damit regeltechnisch außerhalb des Spiels.
Beim Versuch, den Abwurf auszuführen, fällt der Torwart mit dem Ball hinter die Torlinie.
Da der Ball zu diesem Zeitpunkt nicht im Spiel war, kann kein Tor erzielt werden — auch kein Eigentor.
Hinweis zur Verletzungsregel
Nach Regel 4:11 muss ein Spieler, der auf der Spielfläche behandelt wird, diese anschließend verlassen und darf erst nach drei Angriffen seiner Mannschaft zurückkehren.
Ausnahmen gelten nur:
- wenn die auf der Spielfläche erfolgte Versorgung die Folge eines regelwidrigen Verhaltens eines gegnerischen Spielers war, der hierfür progressiv bestraft wurde;
- wenn ein Torwart auf der Spielfläche versorgt werden musste, weil er durch einen Balltreffer am Kopf verletzt wurde.
Da hier keine dieser Ausnahmen zutrifft, muss der Torwart die vorgeschriebene Pause einhalten.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.