Quelle: DHB
Team-Time-out – Was Zeitnehmer und Schiedsrichter beachten müssen
Was im Video geschieht
Mannschaft GELB ist in Ballbesitz. Die Torhüterin führt einen Abwurf zu GELB 17 aus, die den Ball dann zu GELB 11 passt. GELB 11 will den Ball wieder zurück zu GELB 17 spielen und begeht dabei einen Schrittfehler. Der Feldschiedsrichter hat dies sehr gut erkannt und auf Freiwurf gegen Mannschaft GELB noch deutlich vor der Übergabe der grünen Karte an den Zeitnehmer vom Trainer Mannschaft GELB entschieden. Der Zeitnehmer unterbricht aber trotzdem das Spiel und weist auf das beantragte TTO von Mannschaft GELB hin.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Wie muss die Beantragung erfolgen?
Ein Mannschaftsoffizieller der Mannschaft, die ein Team-Time-out beantragen will, muss eine „Grüne Karte" vor dem Zeitnehmer auf den Tisch legen.
Dass das in der Praxis nicht immer so gehandhabt wird, ist bekannt. Daher wird auch die Übergabe der Karte an den Zeitnehmer i. d. R. toleriert. Deshalb an dieser Stelle ein Tipp: Besprecht vor dem Spiel mit dem Zeitnehmer und Trainer die richtige Platzierung/das richtige Prozedere.
Voraussetzungen
Die entscheidende Voraussetzung für eine Beantragung und Gewährung ist der eigene Ballbesitz. Denn ein TTO kann nur die Mannschaft beantragen, die sich in Ballbesitz befindet.
Ferner muss der Ballbesitz auch zu dem Zeitpunkt bestehen, zu dem der Zeitnehmer pfeifen bzw. den entsprechenden Signalknopf betätigen kann. Verliert die beantragende Mannschaft in dieser kurzen Zeitspanne den Ballbesitz, ist der Mannschaft die „Grüne Karte“ zurückzugeben.
Wichtiger Hinweis
Der Regelgeber zeigt durch die vorgenannte Formulierung, dass er die Möglichkeit einer Verzögerung zwischen dem Hinlegen/Übergabe der Grünen Karte und der Chance für den Zeitnehmer zu pfeifen, durchaus erkannt hat!
Wenn dann der Zeitnehmer die Grüne Karte wieder zurückgibt oder aber der Zeitnehmer zu spät gepfiffen hat und dann kein TTO möglich ist/gewährt werden kann (da kein Ballbesitz mehr), gibt es sehr häufig Beschwerden der Mannschaftoffiziellen/Trainer. Häufiges Argument: „Wir hatten doch die Grüne Karte bereits vorher auf den Tisch gelegt!“
Hier steckt der Teufel im Detail: Das Ablegen (oder die tolerierte Übergabe) der Grünen Karte ist gar nicht der entscheidende Moment, sondern allein der Pfiff/das Signal des Zeitnehmers!
Diese Verzögerung muss der Trainer/Offizielle bei der Beantragung einkalkulieren!
Ballbesitz
Wie schon vorher erwähnt, ist die wesentliche Voraussetzung für die Beantragung und Gewährung, dass die Mannschaft sich zum Zeitpunkt des Signals des Zeitnehmers (noch) in Ballbesitz befindet.
Eine besondere, zwar nicht alltägliche Situation: Die Schiedsrichter haben unmittelbar vor dem Pfiff des Zeitnehmers ein Angreifervergehen oder einen Schrittfehler erkannt, sind jedoch noch nicht dazu gekommen, selbst zu pfeifen und auf Freiwurf gegen die angreifende Mannschaft zu entscheiden. Wenn die Schiedsrichter unmittelbar vor oder mit dem Signal des Zeitnehmers eine Regelwidrigkeit erkennen, die sie ahnden wollen, wirkt sich das auf die Gewährung des TTO aus. Da es sich hier um ein Vergehen der beantragenden Mannschaft handelt, hat dieses faktisch schon zu einem Wechsel des Ballbesitzes geführt. Damit hat die angreifende Mannschaft regeltechnisch vor dem Pfiff des Zeitnehmers den Ballbesitz verloren.
Fazit
In diesem Beispiel haben die Schiedsrichter unmittelbar vor der Übergabe und dem Pfiff des Zeitnehmers einen Schrittfehler von GELB 11 erkannt und gepfiffen. In dem Video ist deutlich zu sehen, wie sich Zeitnehmer und Sekretär, beide, auf die Übergabe der Grünen Karte konzentrieren und die Entscheidung des Schiedsrichters nicht mehr mitbekommen. Daher der Tipp für Zeitnehmer und Sekretär, einer (hier der Sekretär) sollte immer Kontakt zum Spiel behalten. Spätestens aber nach Übergabe der Grünen Karte hätte der Zeitnehmer zunächst (nochmals) prüfen müssen, ob die beantragende Mannschaft in Ballbesitz ist! Wenn er erkannt hätte, dass die Schiedsrichter mittlerweile auf Freiwurf für Mannschaft BLAU entschieden haben, hätte er nicht das Spiel unterbrechen dürfen und die Grüne Karte aufgrund des Wechsels des Ballbesitzes wieder an den Trainer zurückgeben müssen. Nachdem der Zeitnehmer aber trotzdem das Spiel mit einem Signal unterbrochen hat, haben die Schiedsrichter sehr schnell und richtig reagiert und gehandelt.
Das Team-Time-out wurde zurecht nicht gewährt und die Spielfortsetzung für Mannschaft BLAU war ebenso korrekt.
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