Quelle: DHB

Störaktionen bei der Anwurfausführung

Was sind Fehler der gegnerischen Mannschaft bei der Anwurfausführung und welche Fehler führen zu einer Strafe und welche nicht? Was passieren kann und wie zu verfahren ist, zeigt das heutige Beispiel.

Was im Video geschieht

Mannschaft GRAU ist im Angriff und erzielt ein Tor. Während der Torwart von Mannschaft ROT versucht, den Ball aus dem Tor zu bekommen, läuft GRAU 19 schnell zurück in Richtung eigene Auswechselbank. Der Pass des Torwarts erreicht aber nicht den Anwurf ausführenden Spieler, sondern trifft GRAU 19 im Rücken und der Ball prallt anschießend vom Rücken zum Anwerfenden Spieler ROT. Die Schiedsrichter geben TO und eine Hinausstellung gegen GRAU 19. Anschließend wird das Spiel mit Anwurf ROT fortgesetzt.

Anwurf nach einem Tor

Im Gegensatz zum Anwurf zu Beginn einer Halbzeit bestehen beim Anwurf nach einem Torerfolg wichtige Unterschiede. Während im ersten Fall alle Spieler sich in der eigenen Hälfte befinden müssen, dürfen sich die Abwehrspieler beim Anwurf nach einem Torerfolg in beiden Hälften der Spielfläche aufhalten. Sie müssen sich dabei jedoch –wie auch im ersten Fall – außerhalb der Anwurfzone befinden und dürfen Ball oder Gegenspieler innerhalb der Anwurfzone nicht berühren, bis der Wurf als ausgeführt gilt.

Zunächst ist auf einen wichtigen Unterschied zwischen den Situationen beim Gegenstoß und beim Anwurf hinzuweisen:
In Gegenstoßsituationen dürfen Abwehrspieler auf dem ganzen Spielfeld verteidigen, aktiv Passwege blockieren, Laufwege des Ballhalters oder der Spieler ohne Ball versperren usw.

Bei einer schnellen Anwurfausführung nach einem Tor hingegen, die taktisch durchaus mit einer Gegenstoßsituation verglichen werden kann und bei der sich häufig ebenfalls nahezu sämtliche Spieler (auch der Anwerfende) in voller Laufbewegung befinden, ist das Spiel nach einem Torerfolg unterbrochen und der Ball regeltechnisch nicht im Spiel (siehe auch 13:3)!

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Der Spieler läuft mit Blick in die eigene Hälfte nach dem Torerfolg seiner Mannschaft in Richtung Anwurfzone zurück zur Bank. Der Torwart trifft beim Pass zu einem in der Anwurfzone bereitstehenden Mitspieler den gegnerischen Spieler, der aber außerhalb der Anwurfzone getroffen wird. Dadurch ist eine schnelle Ausführung des Anwurfes zwar nicht möglich. Da er sich aber deutlich außerhalb der Anwurfzone befindet und nicht aktiv eingreift, darf hier keine Bestrafung erfolgen. Der Spieler ist beim Zurücklaufen noch deutlich von der Anwurfzone entfernt. Hier kann nicht von einer gezielten oder beabsichtigten Spielbeeinflussung durch den angeworfenen Spieler gesprochen werden. Richtigerweise wäre hier keine Strafe auszusprechen gewesen und das Spiel geht mit Anwurf weiter.

Fehler der gegnerischen Mannschaft bei der Anwurfausführung

Nicht erlaubt sind dagegen aktive Abwehraktionen von Spielern, die nach einem Torerfolg in die eigene Spielfeldhälfte zurücklaufen.

Beispiele

  • Blocken des Abspiels vom Torwart zum Anwerfenden  
  • Aktives Stören des Ballvortrags in die Anwurfzone (mit den Armen, Festhalten von Gegenspielern usw.)  
  • Blockieren der Ballannahme des Anwerfenden vor oder innerhalb der Anwurfzone
  • Ballberührung bevor der Ball die Anwurfzonenlinie vollständig überquert hat
  • Solche Aktionen fallen in die Kategorie ‘unsportlich’ und müssen gemäß 8:7c bereits beim ersten Mal progressiv bestraft werden.

Hiervon ist aber auch ein unsportliches Verhalten des Torwarts zu unterscheiden, der einen Gegenspieler absichtlich anwirft, um dessen progressive Bestrafung zu provozieren. In diesem Fall muss beim ersten Mal eine deutliche Ermahnung des Torwarts erfolgen, dies zu unterlassen. Hierbei sollte ein Hinweis auf eine mögliche Bestrafung im Wiederholungsfall erfolgen. Spielfortsetzung ist dann Anwurf mit Anpfiff. Ab dem zweiten Mal erfolgt eine progressive Ahndung dieser Unsportlichkeit entsprechend der Progressionsreihe, beginnend bei einer Verwarnung, sofern das entsprechende „Kontingent“ noch nicht erschöpft ist. Auch hier ist die Spielfortsetzung Anwurf mit Anpfiff.

Fazit

Wenn sich Spieler der abwehrenden Mannschaft deutlich außerhalb der Anwurfzone befinden und nicht aktiv eingreifen, gleichwohl sie getroffen worden sind, erfolgt keine Bestrafung. Hier kann dann nicht von einer gezielten oder beabsichtigten Spielbeeinflussung durch den angeworfenen Spieler gesprochen werden. Davon sind klar aktive Abwehraktionen der Spieler zu unterscheiden, die nach einem Torerfolg in die eigene Spielfeldhälfte (mehr oder weniger) zurücklaufen und dadurch die schnelle Ausführung verhindern wollen.
Daher muss man sich als Schiedsrichter nicht nur auf die korrekte Aufstellung der anwerfenden Mannschaft konzentrieren, sondern muss auch den Pass vom Torwart zur Anwurfzone sowie die Stellung der abwehrenden Mannschaft im Blick haben.