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Startschuss für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio

Vom 23. Juli bis 8. August 2021 finden die Olympischen Sommerspiele in Tokio statt und neben der deutschen Männer-Nationalmannschaft sind auch die beiden Elitekaderschiedsrichter des Deutschen Handballbundes, Robert Schulze und Tobias Tönnies, erstmals mit von der Partie.

Die Entwicklung des Hallenhandballs bei den Olympischen Spielen

Der Handballsport in seiner jetzigen Form war erstmals bei den XX. Olympischen Spielen in München 1972 Teil des Programms. Im Anschluss an die Münchner Spiele wurde auf der 73. Sitzung des IOC beschlossen, bei den XXI. Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal auch Damenhandball mit ins Programm aufzunehmen. Seitdem sind beide Turniere fester Bestandteil der Olympischen Sommerspiele.

Der Modus

Die Männer spielten von Beginn an bei den Olympischen Handballturnieren in Gruppen; der Sieger wurde in einem Endspiel ermittelt. Bei den Frauen gab es erst 1992 in Barcelona ein echtes Endspiel. Von 1976 in Montreal bis einschließlich 1988 in Seoul wurden bei ihnen die Siegerinnen in einer Endrunde in Gruppenspielen ermittelt.
Waren es in München noch 16 Teams bei den Männern, so wurde ab 1976 die Anzahl auf zwölf Teams reduziert und ist bis heute so geblieben. Bis einschließlich 1988 in Seoul spielten die beiden Gruppenersten im Finale um die olympische Goldmedaille. Halbfinalspiele gab es bei den Männern erstmals 1992 in Barcelona. Seit 2000 in Sydney werden die Teilnehmer der Endrunde (Halbfinale/Finale) über die Viertelfinalspiele ausgespielt. Dieser Modus gilt bis heute.

Bei den Frauen waren bei den olympischen Turnieren 1976 in Montreal, 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles nur sechs Teams zugelassen, deren Siegerinnen in einer Gruppe im Modus "Jeder gegen Jeden" ermittelt wurden. 1988 in Seoul erhöhte man die Anzahl der Teams auf acht. Hier wurden in einer Vorrunde mit zwei Gruppen à vier Teams und einer anschließenden Endrunde (ebenfalls in Gruppenspielen) die Siegerinnen ermittelt. 1992 in Barcelona änderte sich dieser Modus. An die Vorrundenspiele schlossen sich – analog zu den Männern – Halbfinal-, Final- und Platzierungsspiele an. 2000 in Sydney wurde dann von acht auf zehn Teams aufgestockt und der Modus erneut geändert: Fürs Finale mussten sich jetzt auch die Frauen im Viertel- und Halbfinale durchsetzen – identisch zu den Männern. 2008 in Peking erhöhte sich die Anzahl der Mannschaften noch ein weiteres Mal auf jetzt zwölf Teams; dieser der Modus ist bis heute unverändert.

Die Erfolge der deutschen Teams

Gold für Deutschland gab es für die Männer vorerst ein Mal 1980 in Moskau: Im legendären Endspiel gegen die damalige UdSSR gewann die Auswahl der DDR die goldene Medaille. Die bundesdeutschen Handballer holten bislang zwei Silbermedaillen: Die erste 1984 in Los Angeles, wo sie sich im Finale gegen das frühere Jugoslawien geschlagen geben mussten; die zweite in Athen 2004. Bei diesem Turnier verloren die Deutschen im Endspiel gegen Kroatien. Eine Bronzemedaille gab es dann 2016 in Rio de Janeiro. Beim Spiel um Platz 3 gewann die deutsche Nationalmannschaft mit 31:25 gegen Polen.

Bei den Frauen holte die Auswahl der DDR 1976 gleich beim ersten olympischen Turnier die Silbermedaille und 1980 in Moskau die Bronzemedaille. Seither war der 4. Platz im Jahr 1992 in Barcelona die beste Platzierung, die bei erfolgreicher Qualifizierung erreicht wurde.

Deutsche Schiedsrichter bei Olympia

Eine große Ehre für Robert Schulze und Tobias Tönnies: Die beiden IHF-Schiedsrichter sind als eines von 16 Gespannen für die Olympischen Sommerspiele 2021 in Tokio nominiert. Für beide Magdeburger ist es die erste Olympia-Teilnahme. Bei Weltmeisterschaften sind sie allerdings schon "alte Hasen": In Ägypten im Januar waren sie bereits das zweite Mal als Schiedsrichter bei einer WM im Einsatz. Ihnen oblag die Leitung des Eröffnungsspiels wie auch des Halbfinales.

In Tokio setzen sie also die gute und erfolgreiche Tradition deutscher Spitzenschiedsrichter bei den Olympischen Sommerspielen fort. Denn bis auf die Olympischen Spiele 2000 in Sydney wurden für jedes olympische Turnier deutsche Schiedsrichter nominiert.

1972 in München waren Otto Falk (Baden) und Hans Rosmanith (Hessen), Edgar Reichel (Hamburg) und Wilfried Tetens (Schleswig-Holstein) sowie aus der ehemaligen DDR das Gespann Heinz Singer (Sachsen) und Hans-Joachim Siebert (Sachsen-Anhalt) nominiert.

Für Montreal 1976 wurden erneut Edgar Reichel und Wilfried Tetens sowie Herbert Hensel und Peter Rauchfuß (beide Sachsen) nominiert. Hier leitete das deutsche Gespann Reichel/Tetens das Finale der Männer; UdSSR gegen Rumänien, Endstand 19:15.

Bei den Spielen im Jahr 1980 in Moskau war nur ein deutsches Gespann im Einsatz: Peter Rauchfuß mit seinem neuen Gespannpartner Rudolf Buchda (Thüringen).

1984 in Los Angeles gab es dann wieder zwei deutsche Gespanne: Erneut kamen Peter Rauchfuß und Rudolf Buchda zum Einsatz wie auch das Gespann der Bundesligaschiedsrichter Günther Heuchert und Volker Norek (beide Hessen), das bei den Männern das Spiel um Platz 3 zwischen Rumänien und Dänemark leitete.

Peter Rauchfuß und Rudolf Buchda wurden ebenfalls für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul berufen. Peter Rauchfuß hat somit insgesamt an vier, sein Gespannpartner Rudolf Buchda an drei Olympischen Spielen als Schiedsrichter teilgenommen – eine beeindruckende Bilanz! 1988 leiteten die beiden u. a. bei den Frauen die entscheidende Begegnung in der Endrunde, Südkorea gegen die UdSSR, das die Koreanerinnen mit 21:19 für sich entscheiden konnten und somit Olympiasiegerinnen wurden.
Neben Rauchfuß/Buchda wurden auch die damals weltweit besten und anerkanntesten Handball-Schiedsrichter, Erhard Hofmann und Manfred Prause (Südbaden), nominiert. Sie leiteten das Eröffnungsspiel Sowjetunion gegen Jugoslawien. Aufgrund ihrer guten Leistung wurden sie ebenfalls für das Männer-Finale der siegreichen Sowjets gegen die koreanischen Gastgeber eingesetzt. Somit waren 1988 gleich zwei deutsche Gespanne für die Finalspiele an der Pfeife.

In Barcelona 1992 waren erstmals die Brüder Hans und Jürgen Thomas (Pfalz) im Einsatz. Sie leiteten nicht nur das Halbfinale Island gegen das Vereinte Team (gemeinsame Mannschaft der Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und Georgiens, also das Nachfolgeteam der Mannschaft der Sowjetunion), sondern auch das olympische Frauen-Endspiel zwischen Norwegen und Südkorea (Endstand 21:28). Aufgrund der herausragenden Leistungen wurden beide erneut für die Teilnahme an den Olympischen Spielen im Jahr 1996 in Atlanta, USA nominiert. Höhepunkt war auch hier das olympische Endspiel der Frauen zwischen Dänemark und Südkorea, das Dänemark nach Verlängerung mit 37:33 gewann.

Nach der "Einsatz-Pause" 2000 für die deutschen Schiedsrichter bei den Olympischen Spielen in Sydney wurde für die Spiele 2004 in Athen das Gespann Frank Lemme und Bernd Ulrich aus Magdeburg (Sachsen-Anhalt) nominiert. Beide nahmen aufgrund der guten Leistungen auch an den Spielen 2008 in Peking teil. Höhepunkt der herausragenden Leistungen war das Finale der Herren zwischen Frankreich und Island, das Frankreich mit 28:23 gewann.

Lars Geipel und sein Gespannpartner Marcus Helbig aus Sachsen-Anhalt kamen bei den Olympischen Spielen 2012 in London erstmals zum Einsatz. Höhepunkt war hier das Halbfinale zwischen Ungarn und Schweden (Endstand 26:27). 2016 folgte für beide noch die Olympiade in Rio de Janeiro.

Robert Schulze und Tobias Tönnies (Sachsen-Anhalt) setzen mit ihrer Nominierung die gute Tradition deutscher Elitekaderschiedsrichter beim olympischen Handballturnier fort und können auf herausragende Leistungen und ausgezeichnete Ansetzungen deutscher Kollegen zurückblicken.

Wir wünschen Robert Schulze und Tobias Tönnies bei ihrem ersten Einsatz bei den Olympischen viel Erfolg und gute Spiele.