Elite-Schiedsrichter Christian und Fabian vom Dorff (Quelle: DHB)

Sieben Tipps für die Kommunikation mit dem Trainer

Während die Schiedsrichter*innen für den reibungslosen Ablauf eines Spiels verantwortlich sind, wollen Trainer*innen mit ihrer Mannschaft den Sieg holen – und entsprechend unterschiedlich sind die Interessen der beiden Parteien in den 60 Minuten einer Partie. Mit einer guten Kommunikation ist die Aufgabe bei allen Differenzen jedoch für alle Seiten angenehmer. Worauf kommt es im Gespräch zwischen Coach und den Unparteiischen an?

Christian und Fabian vom Dorff gehören zu den besten deutschen Schiedsrichtern. Die Brüder pfeifen im Elitekader des Deutschen Handballbundes und leiteten am vergangenen Wochenende das Spiel um den dritten Platz beim REWE Final4 in Köln zwischen den Füchsen Berlin und der SG Flensburg-Handewitt.

Die Kommunikation mit der Bank gehört für die Bundesliga-Schiedsrichterinnen zum Alltag, aber dabei ist es ebenso wichtig, eine klare Kante zu zeigen. Für die Deutschen Handball-Trainer Vereinigung (DHTV), der die beiden Brüder angehören, sprachen sie im Interview über die Kommunikation als Schiedsrichter mit dem Trainer bzw. der Bank während des Spiels – und aus ihrer Erfahrung lassen sich sieben Tipps für Basis-Schiedsrichter ableiten.

1. Versucht einen Start bei Null

Die Mannschaften erwarten von einem Schiedsrichter Neutralität und Unvoreingenommenheit. Gerade an der Basis, wenn man sich eventuell mehrmals im Monat in verschiedenen Hallen und Konstellationen begegnet, ist das nicht einfach. „Dass ein Trainer bei der letzten Begegnung vor zwei Monaten sehr emotional reagiert hat, darf die jetzige Begegnung eigentlich nicht beeinflussen, denn wir wissen nie, was im Hintergrund abgelaufen ist“, sagt Fabian vom Dorff. Der Stress des Abstiegskampfes, aus dem die Mannschaft inzwischen raus ist, eine belastende Situation in der Familie oder Stress im Job können eine dünnhäutige Reaktion hervorrufen, dennoch gelte: „Wir müssen den Trainern eine Chance für eine unbelastete Kommunikation geben.“

2. Der Ton macht die Musik

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, ist die bekannte Maxime des verstorbenen Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick. Das gilt auch für Schiedsrichter: Ein demonstratives Wegdrehen oder ein gleichgültiges Ignorieren einer sachlichen (in vernünftigen Tonfall!) vorgetragenen Frage eines Trainers sagt viel aus.

„Wenn man als Trainer von der Seitenlinie den Arm hebt oder winkt, um auf sich aufmerksam zu machen – freundlich, nicht aggressiv –, funktioniert es oft“, berichtet Fabian vom Dorff aus seiner Erfahrung. Denn: Als Schiedsrichter komplett das Gespräch verweigern, ist nicht hilfreich, weil es Mannschaften und Trainer gegen einen aufbringen kann.

3. Ein Gespräch nicht um jeden Preis…

Es gibt als Schiedsrichter gute und schlechte Momente für das Gespräch mit dem Trainer. Ein Moment, der sich für einen kurzen Dialog eignet, ist beispielsweise die Spielzeitunterbrechung bei einer Zeitstrafe, Behandlungs- oder Wischpause. Auch in der Halbzeitpause kann man in den Austausch gehen.

Allerdings sollte man als Schiedsrichter sensibel sein, wie eine Gesprächssituation nach Außen ankommt. Über das komplette Spielfeld zu laufen, um mit einem Trainer zu sprechen, werde „in der Regel kein Schiedsrichter machen, weil es in der Außendarstellung katastrophal ist und sich der andere Trainer schnell benachteiligt fühlen könnte“, warnt Christian vom Dorff. Auch bei Gesprächen in der Halbzeitpause oder sogar dem Team-Timeout mitten auf dem Spielfeld ist es als Schiedsrichter wichtig, sich zumindest die Wirkung gegenüber dem anderen Team bzw. den Zuschauern bewusst zu machen. 

4. Aufmerksamkeit auf dem Spiel! 

Es versteht sich von selbst, aber: Die Aufmerksamkeit muss in erster Linie auf dem Spielfeld und dem Spielgeschehen liegen. Entsprechend muss man als Schiedsrichter abwägen, ob man im laufenden Spiel in die Kommunikation geht. „Man trifft eine Entscheidung nicht, weil man mit dem Kopf beim Trainer ist oder reagiert auf eine eigentlich vorsichtige Nachfrage allergisch und extrem kurz angebunden, weil man mit dem Kopf beim Spielgeschehen ist“, beschreibt Fabian vom Dorff eine eventuelle Folge der „Doppelbelastung“, wenn die Aufmerksamkeit beim Ball ist, aber man gleichzeitig versucht, ein Gespräch mit dem Trainer zu führen. Die Beschäftigung mit der Bank darf nie die Hauptaufmerksamkeit ziehen – und ggf. muss die Grenze aufgezeigt werden (siehe Punkt 5). 

5. Klare Kante nach der ersten Emotion 

Der Handball lebt von Emotionen – in der Bundesliga und an der Basis. „Das muss in unserem Sport beibehalten und erlaubt bleiben“, betont Fabian vom Dorff. Ein Beispiel sei die aufspringende Bank, die sich zunächst über eine tolle Abwehraktion freut und dann gegen den Siebenmeterpfiff des Schiedsrichters protestiert. „Wenn sich die Bank schnell beruhigt und die Spieler wieder Platz nehmen, ist das aus unserer Sicht zu akzeptieren, weil es zum Moment passt“, sagt auch Christian vom Dorff.

Geht es jedoch darüber hinaus, sei es ebenso wichtig, die Grenze aufzuzeigen. „Unserer Meinung nach fährt man gut, wenn man die erste Emotionen zulässt, die zweite Emotion beispielsweise mit einer beruhigenden Handbewegung oder einem kurzen Hinweis anmahnt – und dann aber auch durchzieht, wenn es zu viel wird“, fasst Christian vom Dorff zusammen. Beispiele seien das Schlagen gegen die Wand oder auf den Boden, ein wildes Gestikulieren oder das Abwinken. „Wir sollten sensibilisiert bei Handlungen reagieren, die nicht mehr zur ersten Emotion gehören“, unterstreicht vom Dorff. 

6. Mut zur Entschuldigung 

Manchmal trifft man als Schiedsrichter eine Entscheidung, bei der man im selben Moment schon weiß: Das war gerade wirklich nicht gut! Kommt das vor, ist es für das Verhältnis zur Bank manchmal einfacher, das offen einzugestehen.

„Wenn man als Schiedsrichter im Spiel wirklich einmal daneben gelegen hat, kann ich auch mal den Arm in Richtung Trainerbank heben und signalisieren: Sorry, mein Fehler“, sagt Fabian vom Dorff. „Ich kann mich natürlich nicht fünfmal im Spiel so entschuldigen, aber einmal kann es helfen, um die Spannung rauszunehmen und die Szene so abzuhaken.“ 

7. Feedback nach dem Spiel annehmen 

In der Regel geht man im Amateurbereich nach dem Spiel sofort auseinander. Es kann jedoch auch anders laufen – entweder, weil der Trainer das Gespräch sucht oder man selbst zu den Trainern geht. Denn: Das Feedback von der anderen „Seite“ kann einem – wenn es eine vernünftige Gesprächsbasis gibt - in seiner Entwicklung helfen. 

„Wir haben es früher immer sehr begrüßt, wenn ein Trainer nach dem Spiel – wenn der Spielbericht abgeschlossen ist – kurz das Gespräch sucht und ein Feedback gibt“, erinnert sich Fabian vom Dorff. „Das hat uns als Schiedsrichter weitergebracht und besser gemacht.“