Sieben Tipps für den Umgang mit Medien- und Presseanfragen
1. Erkundige dich nach Details
Geht das erste Mal eine Interviewanfrage ein, ist das gerade für junge Schiedsrichter eine neue und vielleicht auch aufregende Situation. Umso wichtiger ist es, in der ersten Freude und Überraschung nicht überstürzt zuzustimmen, sondern sich ggf. vorher nach weiteren Details zu erkundigen bzw. Nachfragen zu stellen, welche die Anfrage offen gelassen hat.
Beispiele für die Fragen: In welcher Zeitung/welchem Medium soll der Text erscheinen? Wie wird das Interview geführt: Schickt der Journalist Fragen, die schriftlich beantwortet werden sollen, ist ein Telefonat geplant oder wird es ein persönliches Treffen geben? Soll es ein Fließtext werden oder als Interview erscheinen? Falls es ein Artikel wird: Werden noch weitere Gesprächspartner zu Wort kommen? Sprich: In welchem Kontext werden die eigenen Zitate ggf. verwendet? Wird der Text zusammen mit einem Bild veröffentlicht? Falls ja: Soll man das Bild selbst stellen, wird der Journalist das Foto machen oder ein Fotograf? Und, last, but not least, falls das in der Anfrage nicht explizit formuliert ist: Welchen Schwerpunkt wird der Text bzw. das Interview haben?
Diese Fragen sind natürlich kein Muss; sie sollen lediglich Anregungen darstellen. Wichtig: Wenn du dich nach dem Vorliegen aller Informationen unwohl fühlt, sage die Anfrage lieber ab als dich später zu ärgern, dass du dich darauf eingelassen hast (siehe Punkt 3).
2. Informiere deinen Schiedsrichterwart
Wenn du eine Presse- bzw. Interviewanfrage erhältst, informiere gerade am Anfang immer deinen zuständigen Schiedsrichterwart. Dann wird dieser von dem folgenden Beitrag über bzw. mit dir nicht überrascht und fühlt sich nicht auf die Füße getreten. Bist du dir eventuell unsicher, ob du eine Anfrage annehmen oder ablehnen willst, kann er dir ggf. einen Ratschlag geben. Übrigens: Auch im Deutschen Handballbund ist es Usus, dass die Schiedsrichter*innen sich mit der Leiterin des Schiedsrichterwesens abstimmen, bevor sie Presseanfragen annehmen.
3. Das Internet vergisst nichts
Überlege dir vor dem Gespräch mit dem Journalistin genau, was du danach über dich lesen willst – im Zweifelsfall ist gerade ein online veröffentlichter Beitrag noch Jahre später abrufbar. Mach dir also vorher Gedanken, was du erzählen willst und wo du für dich die Grenze ziehst (zum Beispiel, keine privaten Details etc.). Notiere dir vielleicht sogar Stichpunkte, wenn du das Thema im Vorfeld kennst, sodass du mit einem schnellen Blick deine Gedanken sortieren kannst. Das hilft dir auch, nichts zu vergessen, was dir wichtig ist.
Und wenn dich eine Frage überrascht, werde nicht nervös, sondern nimm dir die Zeit, nachzudenken. Bevor du aus dem Gefühl heraus, bloß schnell antworten zu müssen, eine unüberlegte Antwort gibst, sag einfach: „Da muss ich kurz nachdenken.“ und gib dann eine Antwort in Ruhe. Wenn es sich nicht gerade um einen live übertragenen Radio- oder Fernsehbeitrag handelt, kann der Journalist das später rausschneiden bzw. ignorieren.
4. Bleib authentisch, aber vorsichtig
Eine Interviewsituation ist gerade für junge Schiedsrichter Neuland: Du sitzt vielleicht in einem Cafe einem Journalisten gegenüber, das Handy läuft auf dem Tisch mit und es kommt eine Frage nach der anderen. Versuche trotz der ungewohnten Situation ruhig zu bleiben und so authentisch wie möglich zu antworten. Flüchte dich nicht in Floskeln, sondern antworte in deinen Worten (aber vermeide Flüche, Schimpfworte oder Slang). Du musst auch keine Angst haben, weil du vermeintlich nicht druckreif sprichst – der Journalist ist es im Zweifelsfall gewohnt, Sätze zu glätten und Dopplungen zu streichen.
Vergiss aber nie, dass es kein gemütlicher Kaffeeplausch ist, sondern ein Interview. Wenn das Gespräch gut läuft, neigt man dazu, im Redefluss eventuell leichtfertig Dinge zu erzählen, die man eigentlich gar nicht erzählen wollte (siehe Punkt 3) oder vorschnell Aussagen zu machen, die man später bereuen würde (siehe Punkt 5 und 6). Daher: Behalte gerade am Anfang (und wenn du den Journalisten – noch – nicht kennst) im Kopf, dass es sich gerade um ein Interview handelt und deine Sätze veröffentlicht werden könnten. Als Absicherung – wenn du das Gefühl hast, zu viel gesagt zu haben – kannst du anschließend um Autorisierung bitten (siehe Punkt 7).
5. Keine Aussagen nach emotionalen Spielen
Je höher ein Schiedsrichter pfeift, umso größer ist die mediale Aufmerksamkeit rund um die Spiele – ein Oberliga-Match zur Prime Time am Samstagabend findet in der Regel mehr Beachtung als ein Kreisklasse-Duell am Sonntagabend. Und natürlich kann es vorkommen, dass ein strittiger Pfiff für Aufregung sorgt. Um euch anschließend selbst zu schützen, gilt eine einfache Grundregel: Äußert euch nicht – erst recht nicht direkt nach Abpfiff – zu einer konkreten Spielsituation bzw. Entscheidung. Wenn die entsprechende Anfrage von lokalen bzw. regionalen Medienvertretern kommt oder ihr vielleicht sogar nach dem Verlassen der Kabine angesprochen werdet, gebt keinen Kommentar ab („Bitte habt Verständnis, dass ich zu Szene XY gerade nichts sagen kann, sondern erst einmal die Videobilder sehen will.“) und haltet Rücksprache mit eurem zuständigen Schiedsrichterwart.
6. Äußere dich nicht über Kollegen
Äußere dich nicht öffentlich zu Entscheidungen von Schiedsrichter-Kollegen. Es geht in der medialen Aufbereitung selten ausschließlich um eine sachliche Dar- bzw. Klarstellung, sondern es wird leider zu oft in erster Linie eine gute Schlagzeile gesucht. Die Überschrift „Nach Skandal-Pfiff im Oberliga-Derby: Kollege kritisiert Schiedsrichter“ will schließlich kein Unparteiischer nach einem eigenen Spiel lesen. Sich zu strittigen Regelfragen zu äußern, obliegt dem zuständigen Schiedsrichterwart bzw. Schiedsrichter-Lehrwart – verweise den Journalisten im Zweifelsfall daher an die entsprechende Person weiter.
7. Bitte um Autorisierung
Nach dem Interview wird der Journalist den Beitrag redaktionell aufbereiten. Um nicht selbst von dem Beitrag überrascht zu werden, kannst du um Autorisierung (Freigabe) bitten – sprich darum, dass du die schriftliche Fassung des Gesprächs bzw. deine Zitate vor der Veröffentlichung noch einmal lesen darfst, um sie auf ihre sachliche Korrektheit zu überprüfen.
Die Autorisierung gerade von Interviews ist in der Regel üblich, allerdings aus Sicht des Journalisten keine Pflicht. Achtung: Autorisierung bedeutet nicht, dass alles im Artikel nach deinen Wünschen angepasst wird. Es geht lediglich um leichte Korrekturen bei Zitaten bzw. die Korrektur von sachlichen Fehlern (zum Beispiel einer falsche Jahreszahl, Altersangabe o. ä.).
Trotzdem ist die Bitte um Autorisierung sinnvoll, da es punktuell Eingriffe ermöglicht und man so zumindest den größten Fettnäpfchen aus dem Weg gehen kann. Manche Sätze wirken aufgeschrieben einfach anders als in einer Gesprächssituation. Sollten allerdings zu große Änderungen von dir „gefordert“ werden oder die eigenen Korrekturen den Sinn der Aussage vielleicht sogar ins Gegenteil verkehren („Ich habe das so zwar gesagt, aber eigentlich gemeint, dass…“), kann es sein, dass der Journalist auf eine Veröffentlichung verzichtet.
Tipp: Wenn du mit einem Zitat wirklich unglücklich bist, fordere nicht die Änderung vehement ein, sondern suche das Gespräch und erkläre dem Journalisten, warum du um eine Anpassung bittest. So lässt sich das Problem hoffentlich auf Augenhöhe lösen.