Quelle: DHB

Prellfehler – ja oder nein?

Haftmittel – meist Harz – sind eigentlich ein unverzichtbares Hilfsmittel, den Ball besser unter Kontrolle zu bringen. Dass sie manchmal auch das Gegenteil bewirken und die Schiedsrichter gegebenenfalls kurz ins Grübeln kommen lassen, ob hier eine Regelwidrigkeit vorliegt oder nicht, zeigt der heutige Pfiff der Woche.

Regeltechnisch erlaubt

Gemäß Regel 7:4 darf der Ball im Stehen oder Laufen einmal (= Tippen) oder mehrfach (= Prellen) mit einer Hand auf den Boden geprellt werden. Ebenso darf ein auf dem Boden rollender Ball mehrfach mit einer Hand berührt werden.

Regeltechnisch ist bedeutsam, wann das Tippen oder Prellen beginnt: Der Spieler muss den Ball mit der Hand (oder einem anderen Körperteil) in Richtung Boden lenken (7:4). Die Flugrichtung des Balls wird hierbei also bewusst geändert. Aus dieser Formulierung ergibt sich auch die Beurteilung eines typischen Prellfehlers (z. B. der Ball wird geführt).

Steckt für den Schiedsrichter hinter der Richtungsänderung des Balls (die ja bereits durch ein Anwerfen entstehen kann) kein bewusstes "Lenken", so kann dies auch nicht der Beginn des Prellvorgangs sein. Der Spieler darf den Ball also mit zwei Händen fassen, wiederholt mit einer Hand auf den Boden prellen und danach abermals mit den Händen fassen, bevor die Drei-Schritte-Begrenzung/Drei-Sekunden-Frist beginnt.

Regeltechnisch nicht erlaubt

Gemäß Regel 7:7 ist es nicht erlaubt, den kontrollierten Ball mehr als einmal zu berühren, bevor dieser inzwischen den Boden, einen anderen Spieler oder das Tor berührt hat. Nicht zu ahnden ist mehrfaches Berühren beim Versuch, den Ball zu fangen, zu stoppen oder anderweitig unter Kontrolle zu bringen.

Was im Video geschieht

Spielerin ROT 5 wird der Ball zugespielt, sie fängt diesen aber nicht mit beiden Händen, sondern beginnt gleich den Prellvorgang mit einer Hand. Sie prellt den Ball in der Vorwärtsbewegung – versucht mehr oder weniger zu prellen. Durch (zu viel) Haftmittel am Ball bleibt der Ball am Ende am Boden „kleben“ und springt nicht mehr zurück. Die Spielerin nimmt den liegenden Ball mit einer Hand auf und spielt – ohne einen Schritt zu machen – zu ROT 23.

Die regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im Schiedsrichterwesen des DHB

Spielerin ROT 5 prellt korrekt den Ball. Nachdem der Ball am Boden kleben bleibt (nicht mehr zurückspringt), fasst sie den Ball mit einer Hand und spielt dann weiter. Ein Verstoß gegen Regel 7:4 liegt somit nicht vor.

Die Entscheidung der Schiedsrichterin, weiterspielen zu lassen, ist korrekt, da hier kein Prellfehler vorliegt.