Passives Spiel
Wird eine Tendenz zum passiven Spiel erkennbar, zeigen die Schiedsrichter das Vorwarnzeichen (Handzeichen Nr. 17). Es sollte zeitgleich angezeigt werden, wenn ein Spieler den Ball unter Kontrolle gebracht hat. Dadurch erhält die ballbesitzende Mannschaft die Möglichkeit, ihre Angriffsweise anzupassen und einen Ballverlust zu vermeiden.
Nach dem Anzeigen des Vorwarnzeichens hat die angreifende Mannschaft maximal vier Pässe, um den Angriff mit einem Torwurf abzuschließen (Regel 7:11–12). Erfolgt nach diesen vier Pässen kein Torwurf, also wenn der fünfte Pass von einem Mitspieler angenommen wird, ist auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft zu entscheiden.
Das Handzeichen ist anzuzeigen, bis
- der Angriff beendet ist oder
- das Handzeichen nicht mehr gültig ist (siehe Hinweise unten).
Ein Angriff beginnt mit Ballbesitz und endet mit Torerfolg oder Ballverlust. Das Vorwarnzeichen wird normalerweise bis zum Ende des Angriffs angezeigt. Während eines Angriffs gibt es jedoch zwei Situationen, in denen die Beurteilung „passives Spiel“ nicht länger gilt und die Wirkung des Handzeichens aufgehoben wird:
- Die ballbesitzende Mannschaft führt einen Torwurf aus, und der Ball prallt vom Tor oder Torwart direkt zur angreifenden Mannschaft zurück – oder ihr ist infolgedessen ein Einwurf bzw. Abwurf zuzusprechen.
- Ein Spieler oder Offizieller der abwehrenden Mannschaft erhält eine persönliche Strafe wegen regelwidrigen oder unsportlichen Verhaltens gemäß Regel 16.
In beiden Situationen wird der ballbesitzenden Mannschaft eine neue, normale Aufbauphase zugestanden.
Was passiert, wenn nach Anzeige des Vorwarnzeichens ein Team-Time-out (TTO) beantragt und gewährt wird?
Hinweis zum Team-Time-out (Erläuterung 3)
Die Mannschaften sollen bei Ablauf des Team-Time-outs zur Spielfortsetzung bereit sein. Das Spiel wird entweder mit dem Wurf wiederaufgenommen, der der Situation bei Gewährung des Team-Time-outs entspricht, oder – wenn der Ball im Spiel war – mit einem Freiwurf für die beantragende Mannschaft an der Stelle, an der sich der Ball bei der Unterbrechung befand.
Was im Video geschieht?
Mannschaft GELB ist im Angriff. Die Schiedsrichter zeigen das Handzeichen 17 unmittelbar vor der Ballannahme von Rückraum Rechts (RR) GELB 67. Kurz danach unterbricht der Zeitnehmer das Spiel, da ein Offizieller von GELB ein Team-Time-out beantragt, das auch gewährt wird.
Ein Offizieller von Mannschaft SCHWARZ fragt gestisch nach, wie viele Pässe noch möglich sind. Der Feldschiedsrichter signalisiert daraufhin, dass noch vier (4) Pässe zur Verfügung stehen.
Nach dem Team-Time-out wird das Spiel – der Ball war zum Zeitpunkt der Unterbrechung im Spiel – mit einem Freiwurf für die beantragende Mannschaft an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball bei der Unterbrechung befand. Nach dem Anpfiff ist zu erkennen, dass das zuvor angezeigte Vorwarnzeichen für passives Spiel (Handzeichen 17) nicht mehr angezeigt wird. Mannschaft GELB setzt den Angriff fort und spielt deutlich mehr als vier Pässe.
Besonderheit beim Team-Time-out (TTO)
Auch wenn es im aktuellen Regeltext nicht ausdrücklich („expressis verbis“) formuliert ist, bleibt das zuvor angezeigte Handzeichen 17 nach einem Team-Time-out weiterhin gültig. Das Handzeichen ist anzuzeigen, bis der Angriff beendet ist oder das Handzeichen nicht mehr gültig ist. Ein beantragtes Team-Time-out unterbricht den Angriff, beendet ihn aber nicht. Folglich muss das Vorwarnzeichen für passives Spiel auch nach dem Team-Time-out weiterhin gelten und angezeigt werden.
Hinweis: In der Ausgabe der Internationalen Handballregeln vom 01.08.2001 war dieser Passus in der Erläuterung 4 (bis 31.07.2005) noch ausdrücklich enthalten.
Bewertung der beschriebenen Spielsituation
Ungünstig ist zunächst, dass die Schiedsrichter das Vorwarnzeichen anzeigen, obwohl Spieler GELB 67 den Ball noch nicht klar unter Kontrolle hat. Hier wäre ein kurzer Moment Abwarten sinnvoll gewesen.
Entscheidend ist: Nach dem Team-Time-out wurde das Vorwarnzeichen fälschlicherweise nicht weiter angezeigt, und der angreifenden Mannschaft wurden deutlich mehr als vier Pässe zugestanden. Das entspricht nicht der korrekten Regelauslegung. Zudem reagieren die Schiedsrichter nicht auf den Versuch des Trainers von SCHWARZ, auf den Fehler hinzuweisen.
Merke
- Ein Team-Time-out ist eine Unterbrechung, aber kein Neubeginn des Angriffs.
- Bei jedem Team-Time-out (oder Time-out) klar ansagen: Art und Ort der Spielfortsetzung.
Kleiner Exkurs
Wurde das Vorwarnzeichen vor dem Team-Time-out noch nicht angezeigt, gelten für die folgenden Situationen Kriterien für die Anzeige von Handzeichen 17 (je nach Angriffsphase):
- Team-Time-out bei sofortigem Ballgewinn in der eigenen Hälfte
- Team-Time-out zu Beginn einer normalen Aufbauphase (alle Spieler in Position)
- Team-Time-out nach normaler Aufbauphase und taktischen Mitteln mit erfolglosem Tempowechsel
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.