Passives Spiel

Die allgemeine Spielidee und die zugehörigen Regelbestimmungen zum passiven Spiel sollen attraktive, dynamische Spielweisen fördern: hohes Tempo (Gegenstoß, schneller Anwurf), geringe Unterbrechungen und eine klare Balance zwischen Angriff und Abwehr. Schiedsrichter sollen aktive, aber nicht foulende Abwehrarbeit belohnen. Tempospielphasen, die eindeutig auf die Schaffung von Torgelegenheiten ausgerichtet sind, werden nicht in die unmittelbare Bewertung des passiven Spiels einbezogen.

Wird eine Tendenz zum passiven Spiel erkennbar, zeigen die Schiedsrichter das Vorwarnzeichen (Handzeichen Nr. 17). Es soll in dem Moment angezeigt werden, in dem ein Spieler den Ball kontrolliert hat. Dadurch erhält die angreifende Mannschaft die Möglichkeit, ihre Angriffsstrategie anzupassen, um den Ballverlust zu vermeiden.

Nach Anzeige des Vorwarnzeichens stehen der angreifenden Mannschaft maximal vier Pässe zur Verfügung, um den Angriff mit einem Torwurf abzuschließen (7:11–12). Erfolgt nach diesen vier Pässen kein Torwurf, also wenn der fünfte Pass von einem Mitspieler angenommen wird, entscheiden die Schiedsrichter auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft. Die Erläuterung 4 enthält Hinweise zur maximalen Anzahl von Pässen.

Vor dem 4. Pass gilt:

  • Ein Freiwurf oder Einwurf während der Anzeige des Vorwarnzeichens unterbricht die Passzählung nicht.
  • Wird ein Pass oder Torwurf durch einen Feldspieler der Abwehr geblockt und der Ball gelangt zur angreifenden Mannschaft zurück (auch nach Abwurf), zählt dies als Pass.

Nach dem 4. Pass gilt:

  • Wird auf Freiwurf, Einwurf oder Abwurf für die Angreifer entschieden, kann die Mannschaft die Ausführung dieses Wurfes mit einem weiteren Pass verbinden, um den Angriff abzuschließen.
  • Wird ein Wurf nach dem 4. Pass geblockt und gelangt der Ball zu einem Angreifer oder ins Tor-/Seitenaus, besteht ebenfalls die Möglichkeit, den Angriff mit einem zusätzlichen Pass abzuschließen.

Vor dem ausgeführten 5. Pass können Schiedsrichter auf passives Spiel entscheiden, wenn:

  • der ballführende Spieler im Stand länger nach Anspielmöglichkeiten sucht,
  • Angreifer wiederholt versuchen, durch Fouls der Abwehr Freiwürfe zu provozieren,
  • die Angreifer Rückwärtsbewegungen in die Tiefe des Spielfeldes ausführen,
  • der ballführende Spieler den Ball aufgrund aktiver Abwehrarbeit in die Tiefe des Spielfeldes zurückpasst,
  • der ballführende Spieler aufgrund aktiver Abwehrarbeit keine Anspielmöglichkeit mehr hat.

Was im Video geschieht

Mannschaft Grün befindet sich im Angriff. Das Vorwarnzeichen wird angezeigt, als Rückraum Links (GRÜN 13) in Ballbesitz ist.

  1. Pass: GRÜN 13 spielt zu Rückraum Mitte (GRÜN 73).
  2. Pass: GRÜN 73 spielt zu Rückraum Rechts (GRÜN 22).
    GRÜN 22 wird gefoult, es gibt Freiwurf.
  3. Pass: GRÜN 28 führt den Freiwurf aus und passt zu GRÜN 22.
  4. Pass: GRÜN 22 spielt den Ball zum einlaufenden GRÜN 73.
    GRÜN 73 wirft, der Wurf wird von WEISS 10 geblockt.
    GRÜN 4 nimmt den Ball auf, tippt ihn und versucht, in der eigenen Spielfeldhälfte einen Mitspieler anzuspielen. Bei der Ballannahme entscheiden die Schiedsrichter auf Freiwurf für Weiß.

Regeltechnische Bewertung

Der nach dem 4. Pass ausgeführte Wurf wurde von der Abwehr geblockt; der Ball gelangte zu einem Angreifer zurück. In diesem Fall hätte Grün den Angriff mit einem weiteren Pass abschließen dürfen. Da jedoch der ballführende Spieler (GRÜN 11) den Ball infolge aktiver Abwehrarbeit in die Tiefe zurückpasst, ist die Entscheidung auf passives Spiel und damit Freiwurf Weiß korrekt – auch wenn ein weiterer Pass regeltechnisch möglich gewesen wäre.


Fazit

Auch vor dem ausgeführten 5. Pass können Schiedsrichter auf passives Spiel entscheiden. Dies gilt ebenso, wenn ein nach dem 4. Pass ausgeführter Wurf geblockt wird, der Ball zu einem Angreifer gelangt und die Mannschaft theoretisch einen zusätzlichen Pass hätte nutzen können, aber durch ihr Verhalten Merkmale passiven Spiels zeigt.