Quelle: DHB
Nichtniederlegen des Balls – ein unsportliches und zu ahnendes Verhalten
Was im Video geschieht
Mannschaft GRÜN ist im Angriff. GRÜN 11 begeht ein Stürmerfoul, das durch die Schiedsrichter geahndet wird. GRÜN 11 spielt noch den Ball zur ihrer Mitspielern RA GRÜN, die dann anschließend den Ball hinter dem Rücken über die Seitenlinie wirft. Der Ball landet weit vom eigentlichen Ausführungsort.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Bestimmte Unsportlichkeiten werden als schwerwiegender angesehen und haben deshalb eine direkte Hinausstellung zur Folge, unabhängig davon, ob der betreffende Spieler oder Offizielle zuvor eine Verwarnung erhalten hat. Hierzu gehört auch, wenn der Spieler bei einer Entscheidung gegen seine Mannschaft den Ball nicht sofort fallen lässt oder niederlegt, sodass er spielbar ist.
Die Schiedsrichter haben korrekt auf Stürmerfoul entschieden. Da nicht eindeutig erkennbar (hörbar) ist, wann der Pfiff der Schiedsrichter erfolgt, ist aber offensichtlich, dass RA GRÜN klar nach der Entscheidung gegen ihre Mannschaft den Ball nicht sofort fallen lässt oder niederlegt, sodass er spielbar ist. Im Gegenteil, sie wirft den Ball weit weg.
Die korrekte Entscheidung wäre eine Hinausstellung gegen RA GRÜN gewesen.
Bis zur Entscheidung auf Freiwurf Mannschaft SCHWARZ (wegen Stürmerfoul) haben die Schiedsrichterinnen (fast) alles richtig gemacht. Warum aber die klare Hinausstellung nicht gegeben wurde, kann man nur vermuten.
Auffällig ist, dass sich die Feldschiedsrichterin unmittelbar nach der Entscheidung wegdreht und ohne nach hinten zu schauen zurückläuft. Erst in Höhe der Freiwurflinie dreht sie sich kurz nach hinten, um wieder Kontakt zum Spiel aufzunehmen. Die Torschiedsrichterin kann im Video erst wahrgenommen werden, als der Ball von der RA weggeworfen wird.
Auch wenn die bisherige Torschiedsrichterin nun die Funktion als Feldschiedsrichterin übernimmt und damit für die Beurteilung der anschl. Wurfausführung (Freiwurf SCHWARZ) verantwortlich ist, wäre es besser gewesen, wenn die bisherige Feldschiedsrichterin noch etwas länger auf der Situation geblieben wäre. Der Wechsel vom Feldschiedsrichter zum Torschiedsrichter, das Zurücklaufen, kommt eigentlich ohne Not sehr früh und anschließend ohne jedweden Kontakt zum Spiel. Von der Entfernung und der Stellung der Abwehr- und Angriffsspieler war es in dieser Situation für die Torschiedsrichterin vermutlich sehr schwer erkennbar, dass hier ein unsportliches Verhalten von Mannschaft GRÜN vorliegt.
Fazit
Generell gilt: Den Überblick zu behalten ist wichtiger, als nur möglichst rasch die Grundposition an der Torauslinie zu erreichen. Den Kontakt zum Spiel sollte der Schiedsrichter nach Möglichkeit nicht verlieren.
Lauftechnik und Stellungsspiel der Schiedsrichter müssen sich dem Spiel und der Spielsituation anpassen. Das erfordert allerdings mehr als nur schnell zu laufen! Eine mangelhafte Beobachtung des Spielgeschehens ist häufig auch auf die Durchführung eines Funktionswechsels mit dem Rücken zum Spielgeschehen zurückzuführen.
Bei der permanenten Beobachtung des Spielgeschehens ist neben einer guten Teamarbeit auch ein gutes Stellungsspiel sowie Laufverhalten gefragt.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.