Mitspieler hinterläuft Werfer durch Freiwurfraum – Beispiele im Doppelpack!

Es geht um zwei beachtenswerte Szenen aus der ersten Liga des Schweizer Handballverbands. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt. Es geht um die regelgerechte Entscheidung für den Fall, dass ein Mitspieler beim Freiwurf den Werfer durch den Freiwurfraum hinterläuft.

So eine Szene bieten wir dieses Mal sogar im „Doppelpack“ – mit unterschiedlichen regelgerechten Entscheidungen.

Falsche Freiwurfausführung – die erste

Im ersten Videoclip sehen wir eine Freiwurfausführung, die vom Feldschiedsrichter angepfiffen wurde. Abgesehen davon, dass der fehlbare Spieler auf der halbrechten Position vor dem Anpfiff keine ganz regelkonforme Position eingenommen hat (er steht auf der Freiwurflinie), hinterläuft er den Werfer durch den gegnerischen Freiwurfraum. Er betritt den Freiwurfraum, nachdem der Feldschiedsrichter den Freiwurf angepfiffen hat und deutlich bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat. Sein Ziel ist eine Position auf Linksaußen, die für seine Mannschaft eine Überzahl in diesem Sektor bewirkt. Das weitere Geschehen wird allerdings durch eine erneute Freiwurfentscheidung für die angreifende Mannschaft unterbrochen. Bildreihe 1 zeigt die wichtigsten Szenen.

Hier die regeltechnischen Einordnungen von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:

Die regeltechnische Analyse ist schnell beschrieben. Zunächst sollte der Feldschiedsrichter (soweit er es erkennt) die fehlerhafte Ausgangsstellung des fehlbaren Spielers korrigieren, bevor er den Freiwurf anpfeift (siehe auch Regel 15:3 Satz 1).

Nach dem Anpfiff ist darauf zu achten, dass die Freiwurfausführung regelgerecht erfolgt. Hierzu zählt auch, dass kein Mitspieler den Freiwurfraum betritt, bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat (siehe auch Regel 15:7 Abs. 3 Satz 1). Geschieht dies wie in unserem Beispiel dennoch, ist auf Freiwurf für die andere Mannschaft am Ort des Vergehens zu entscheiden (siehe auch Regel 15:7 Abs. 3 Satz 2).

Falsche Freiwurfausführung – die zweite

 

Wir sehen eine ähnliche Situation, die sich etwa 2 Minuten vor Spielschluss im selben Spiel ereignet: Derselbe Spieler hinterläuft bei einem Freiwurf seiner Mannschaft an der gegnerischen Freiwurflinie seinen ausführenden Mitspieler erneut durch den gegnerischen Freiwurfraum, bevor der Ball die Hand des ausführenden Spielers beim in diesem Fall nicht angepfiffenen Freiwurf verlassen hat (siehe Regel 15:2 Abs. 1).

Die entscheidenden Szenen sind in Bildreihe 2 zu sehen.

Die regeltechnischen Einordnungen von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:

Gemäß Regel 15:7 Abs. 2 Satz 1 sind bei einer Wurfausführung ohne Anpfiff grundsätzlich alle Fehler zu korrigieren. Anschließend ist der Wurf zur Spielfortsetzung (hier der Freiwurf) anzupfeifen (siehe auch Regel 15:5b).

Für das zweite Videobeispiel bedeutet dies: Erkennen die Schiedsrichter das regelwidrige Verhalten des Mitspielers, der den gegnerischen Freiwurfraum betritt, bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat, müssen sie das Spiel unverzüglich erneut unterbrechen. Nach Korrektur der Ausgangsstellung ist die erneute Ausführung dieses Freiwurfes anzupfeifen. Wie bedeutsam dies sein kann, wird sicher auch durch das dann folgende Tor des zuvor fehlbaren Spielers belegt.