Mehr erlaubt, als viele denken: Was beim Ballspiel wirklich gilt

Auch wenn Auseinandersetzungen zwischen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern wegen technischer Fehler beim Spielen des Balles eher selten sind, treten sie dennoch gelegentlich auf – wie das heutige Beispiel zeigt. Wie würden Sie entscheiden?


Was im Video geschieht

Team WEISS befindet sich im Angriff und wirft auf das Tor von Team GELB. Der Torwart von GELB kann den Ball abwehren; dieser gelangt anschließend zurück ins Spielfeld. Spielerin GELB 31 erkennt die Situation schnell und bewegt sich gezielt zum Ball. Sie nimmt den Ball vor der Mittellinie mit der rechten Hand auf, macht einen Schritt mit dem linken Fuß, passt den Ball nach vorne und nimmt ihn anschließend kurz vor dem gegnerischen Torraum (bei ca. 6,5 m) mit beiden Händen wieder auf, nachdem der Ball zuvor zweimal den Boden berührt hat. Nach einem weiteren Schritt wirft sie auf das Tor von Team WEISS und erzielt ein Tor.

Bevor der Ball jedoch ins Tor gelangt, unterbricht der Torschiedsrichter das Spiel durch einen Pfiff, entscheidet auf Freiwurf für Team WEISS und signalisiert das Handzeichen 2 „Prell- oder Tippfehler“.


Regeltechnische Bewertung

Zur Beurteilung dieser Situation sind die Regeln 7:4 und 7:7 des IHF-Regelwerks relevant.

Gemäß Regel 7:4 ist es erlaubt, den Ball sowohl im Stehen als auch im Laufen:

  1. den Ball einmal zu tippen und ihn mit einer Hand oder beiden Händen wieder zu fangen.
  2. den Ball wiederholt mit einer Hand auf den Boden zu prellen und ihn danach mit einer Hand oder beiden Händen wieder zu fangen bzw. aufzunehmen.
  3. den Ball wiederholt mit einer Hand zu rollen und ihn dann wieder mit einer Hand oder beiden Händen aufzunehmen.

Sobald der Ball danach mit einer Hand oder beiden Händen gefasst wird, muss er innerhalb von 3 Sekunden bzw. nach höchstens 3 Schritten (13:1a) abgespielt werden.

Das Prellen oder Tippen des Balles beginnt, sobald der Spieler den Ball mit irgendeinem Körperteil berührt und ihn in Richtung Boden lenkt.

Gemäß Regel 7:7 ist es jedoch nicht erlaubt, den kontrollierten Ball mehr als einmal zu berühren, bevor dieser inzwischen den Boden, einen anderen Spieler oder das Tor berührt hat (13:1a).

Regel 7:7 ermöglicht aber auch die im Spiel äußerst selten vorkommende sogenannte „Selbstvorlage“: Die nachfolgende Bildreihe zeigt eine solche Spielsituation, die durchaus denkbar ist und – da sie einen gewissen taktischen Überraschungseffekt birgt – nicht konstruiert wirkt.


Fazit

In diesem Beispiel handelt es sich um die in Regel 7:7 beschriebene, äußerst selten vorkommende sogenannte „Selbstvorlage“.

Die Entscheidung auf einen Prellfehler ist daher nicht korrekt.

Ein ähnliches Beispiel finden Sie im „Pfiff der Woche“ vom 17.11.2025: „Den kontrollierten Ball mehrfach berühren – was ist erlaubt, was nicht?“