Leeres Tor, Fußspiel und die Folgen der Regeländerung
Was im Video geschieht
Mannschaft WEISS spielt im Angriff aufgrund einer Hinausstellung ohne Torwart (leeres Tor) und erzielt regelgerecht ein Tor. Der Torwart Mannschaft GRÜN holt schnell den Ball aus dem Tor und passt den Ball zu seinem Mitspieler. GRÜN 73 läuft in die Anwurfzone und führt den Anwurf regelrecht als direkten Torwurf auf das leere Tor aus. WEISS 3 stoppt den Wurf mit dem Fuß auf 9 Meter, während sich sein Torwart auf dem Weg in den Torraum auf gleicher Höhe befindet. Die Schiedsrichter entscheiden auf 7-Meter-Wurf für Mannschaft GRÜN und Hinausstellung gegen WEISS 3.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Die Anlässe, aufgrund derer das Tor von seinem Hüter verlassen wird, können vielfältig sein. Ob er nur an den Auswechselbereich seiner Mannschaft geht, um etwas zu trinken oder ob er zugunsten eines weiteren Feldspielers ausgewechselt wird; immer ist das Hauptkriterium dieser Regelung erfüllt: Der Torwart hat seinen Torraum verlassen.
Gemäß Regel 14:1 ist von den Schiedsrichtern auf 7-Meter-Wurf zu entscheiden, wenn durch einen Spieler der gegnerischen Mannschaft regelwidrig eine klare Torgelegenheit vereitelt wird. Der Ort des regelwidrigen Verhaltens ist dabei unerheblich. Es gilt die gesamte Spielfläche.
Zusätzliche Informationen über den Begriff der „klaren Torgelegenheit“ enthält die IHF-Erläuterung 6. Gemäß der dort unter dem Buchstaben c) dargestellten Situation besteht eine klare Torgelegenheit auch dann, wenn ein Gegenspieler mit Ball- und Körperkontrolle eine klare und ungehinderte Möglichkeit zum Wurf des Balls ins leere Tor der gegnerischen Mannschaft hat.
Regelwidrig
Gemäß Regel 7:8 ist es nicht erlaubt, den Ball mit Fuß oder Unterschenkel zu berühren, es sei denn, der Spieler wurde von einem Gegenspieler angeworfen.
Bestrafung
Mit Regeländerung zum 01.07.2024 ist ein deutliches Abspreizen oder Anheben eines bzw. beider Unterschenkel oder Füße mit dem Ziel, einen Pass oder Torwurf zu blocken/wegzuschlagen, was einen deutlichen Einfluss auf die Spielsituation zur Folge hat, ein unsportliches Verhalten, das direkt mit einer Hinausstellung zu ahnden ist (siehe auch Regeln 8:7e und 8:8e).
Fazit
Die drei Kriterien der Erl. 6c sind erfüllt. Durch seine Fußabwehr verhindert der Verteidiger regelwidrig, dass der Ball ins leere Tor geht. Zum Zeitpunkt des Wurfs war das Tor noch leer, da der Torwart seinen Torraum noch nicht betreten hatte.
Eine gute, schnelle und richtige Entscheidung der Schiedsrichter.
Die Aktion passiert in der 1. Halbzeit (13:26) und weder der Spieler noch die Mannschaft hatte zuvor eine Verwarnung erhalten. Vor der Regeländerung wäre das unsportliche Verhalten nur progressiv zu bestrafen gewesen. Siehe hierzu den Beitrag vom 08.01.2024 (Das leere Tor und seine Folgen) der hiermit nicht mehr gültig ist.
Dies ist ein Beispiel, was sich durch eine Regeländerung strafverschärfend geändert hat.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.