Quelle: DHB
Kopftreffer aus dem freien Spiel
Was im Video geschieht
Mannschaft GELB ist im Angriff 6 gegen 6. GELB 4 kommt nach einer Finte auf der LA-Position zu einem Torwurf und trifft dabei die Torhüterin von Mannschaft ROT 16 am Kopf.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Seit dem 1. Juli gilt für alle Ligen: Kopftreffer stehen nicht nur bei einem Siebenmeter, sondern auch aus dem freien Spiel heraus unter Strafe. Das bedeutet: Trifft der Werfer den Torhüter bei einem unbedrängten Wurf am Kopf und befindet sich dabei kein Abwehrspieler zwischen ihm und dem Torhüter, wird dies mit einer 2-Minuten-Zeitstrafe bedacht.
Kriterien für Treffer mit dem Ball gegen den Kopf des Torwarts
- Die Regel ist nur bei freien Spielsituationen anzuwenden, d. h., wenn sich zwischen dem Werfer und dem Torwart kein Verteidiger befindet.
- Der erste Kontakt mit dem Ball muss am Kopf erfolgen. Die Regel greift nicht, wenn der Ball den Kopf des Torwarts erst trifft, nachdem er zuvor einen anderen Körperteil des Torwarts getroffen hat.
- Die Regel greift nicht, wenn der Torwart seinen Kopf Richtung Ball bewegt.
- Versucht der Torwart die Schiedsrichter zu täuschen, um eine Bestrafung zu provozieren (beispielsweise wenn der Ball die Brust des Torwarts getroffen hat), ist er gemäß Regel 8:7d zu bestrafen.
Die Sachlage in diesem Beispiel ist insofern klar, als dass sich LA GELB 4 in einer freien Spielsituation befindet und ungehindert auf das Tor werfen kann. Der erste Kontakt mit dem Ball erfolgt auch unmittelbar am Kopf (hier im Gesicht). Auch wenn die Torhüterin hier in einer Abwehrbewegung getroffen wird, sind die o. g. Kriterien für ein unsportliches Verhalten erfüllt, das direkt mit einer Hinausstellung zu ahnden ist.
Die Hinausstellung für GELB 4 und Spielfortsetzung Freiwurf für Mannschaft ROT sind daher korrekt.
Beachte
Für die Beurteilung, ob es sich hier um einen Kopftreffer handelt oder nicht, ist die genaue Beobachtung durch den Torschiedsrichter erforderlich. Dazu muss der Torschiedsrichter nun nicht nur auf den regelgerechten Absprung des Werfers achten, sondern muss nunmehr auch die Flugbahn des Balls verfolgen, um mögliche Kopftreffer schnell und eindeutig zu erkennen. Daher ist neben dem guten, variablen Stellungsspiel als Torschiedsrichter auch der Feldschiedsrichter zur Unterstützung seines Partners gefordert.
Eine gute Beobachtung hilft, den klaren Kopftreffer von Täuschung oder Erstkontakt nicht am Kopf zu unterscheiden, um eine regelgerechte Entscheidung zu treffen.
An dieser Stelle sei nochmals herausgestellt, dass es sich in der neuen Regel 8:8d um Kopftreffer generell handelt und nicht nur um Gesichtstreffer.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.