Wie Jasmin Kliko beweist: Man muss nicht sprechen, um etwas zu sagen ... (Foto: IMAGO/Bildbyran)
Kommunikation – eine schwierige Sache
Ohne Zweifel gehört Kommunikation, ob verbal oder nonverbal, zu den komplexesten und vielfach schwierigsten Übungen im menschlichen Miteinander. Dabei ist es in nahezu allen Kommunikationssituationen nicht entscheidend, was man sagt bzw. mitteilt, sondern was unser Gegenüber versteht. Dieser wichtige Grundsatz der Kommunikationstheorie ist insbesondere für die Schiedsrichter bzw. die Spielleitung von hoher Bedeutung.
Ein Beispiel, welche Kleinigkeiten in der nonverbalen Kommunikation bereits zu Missverständnissen führen, habe ich selbst erleben dürfen: Vor wenigen Jahren waren während eines Lehrgangs für Schiedsrichter einige Flipchart-Papiere an den Wänden des Lehrsaals platziert, auf denen für die Teilnehmer „Regelfragen für Zwischendurch“ aufgeschrieben waren, um das Thema Regelkunde über den gesamten Lehrgang hinweg präsent zu halten. Die Teilnehmer sollten ihre Lösungsvorschläge darauf vermerken.
Schriftsprache und der Einfluss der Handschrift
Eine dieser Regelfragen lautete: „Wann spielt eine Mannschaft ohne Torwart?“ Unter den von den Teilnehmern vermerkten Lösungen fanden sich jedoch auch zunächst nicht erklärliche Antworten. So konnte man lesen:
- Wenn der Trainer das sagt.
- Demonstration von Fitness.
- Um eine Unterzahl auszugleichen.
Schließlich konnte meine schlechte Handschrift als Ursache ausgemacht werden. Mein handschriftliches „Wann “ wurde von einigen Lehrgangsteilnehmern als „Warum “ gelesen und deshalb wie oben stehend beantwortet. Ich hätte mir bei der Beschriftung mehr Mühe geben müssen.
Körpersprache: Kleine Ursache mit großer Wirkung
Ebenso kann es aber auch Schiedsrichtern während einer Spielleitung ergehen, wenn sie nicht sorgfältig genug mit ihren Kommunikationsmitteln umgehen. Wenn sie beispielsweise zu undeutlich pfeifen; eine schlechte, vielfach auch nicht regelgerechte Zeichengebung verwenden oder eine widersprüchliche Körpersprache vermitteln. All dies kann bei den Beteiligten zu Missverständnissen führen, die insbesondere dann zu weiteren ärgerlichen Reaktionen führen, wenn sie für das Gegenüber zu regeltechnischen Konsequenzen, möglicherweise sogar zu einer persönlichen Bestrafung führen.
Postskriptum
Die richtige Antwort auf die Regelfrage "Wann spielt eine Mannschaft ohne Torwart?"
Eine Mannschaft spielt ohne Torwart, wenn sich kein als Torwart gekennzeichneter Spieler im Torraum befindet. Entsprechende Bestimmungen finden sich in Regel 5:3, die zudem in Abs. 1 auf die einzige nachfolgend beschriebene Ausnahme verweist:
Wenn ein Torwart seinen Torraum verlässt, um einen für den Gegenspieler gedachten Ball abzufangen (Regel 8:5 Komm. Satz 3), ist er in dieser Ausnahmesituation weiterhin als Torwart anzusehen.
Die mit der Regeländerung 2016 eingeführte Bestimmung der Regel 4:1 Abs. 3 (Mannschaft kann ohne Torwart auf der Spielfläche agieren) ist regeltechnisch daher kein „Neuland“ gewesen.