Sascha Wild und Fabian Baumgart im Gespräch mit Trainer Filip Jicha (Quelle: IMAGO/Eibner)
Herausforderung und Chance zugleich: Der Partnerwechsel
Über 16 Jahre war Fabian Baumgart gemeinsam mit Sascha Wild unterwegs; das Duo stieg gemeinsam bis in den Elitekader auf und war auch international unterwegs. Seit zwei Monaten ist das anders: Baumgart pfeift inzwischen mit Philipp Dinges zusammen, dessen Gespannpartner Tobias Schmack ebenso wie Wild aus beruflichen und privaten Gründen aufhören musste.
Für Baumgart und Dinges war jedoch klar: Sie wollen noch weiter pfeifen. „Es war klar, dass Sascha aufhören wird und dann stellte sich die Frage, wie es mit mir weitergeht“, beschreibt Baumgart. Auch für Dinges stand fest: „Wenn es eine Alternative gibt, bin ich bereit, noch einmal den Switch zu machen.“
Es war „vielleicht ein bisschen Schicksal“ (Baumgart), dass zwei Bundesliga-Schiedsrichter zeitgleich einen neuen Partner suchten bzw. brauchten. In der Regel bleiben die Gespanne in den höchsten Kadern zusammen. An der Basis kommt es aus verschiedensten Gründen jedoch häufiger zu Partnerwechseln – auch, weil die Auswahl größer ist. „Dass du dich auf diesem Niveau als neues Gespann findest, ist selten“, weiß auch Baumgart.
Inzwischen haben Baumgart und Dinges ihre ersten gemeinsamen Einsätze in der LIQUI MOLY HBL absolviert. „Für mich hat es sich in den letzten zwei, drei Spielen angefühlt, als würden wir schon jahrelang zusammen pfeifen“, sagt Dinges. Ein Vorteil: Die beiden Unparteiischen kennen sich von vielen Lehrgängen und wussten, dass sie sich menschlich verstehen und eine ähnliche Auffassung vom Handball haben.
Das sind unabhängig vom Niveau zwei wichtige Faktoren, wenn man nach der Trennung vom Gespannpartner einen neuen Kollegen sucht. Ebenso entscheidend: Das gemeinsame Commitment. „Wir haben aber dennoch viele Dinge im Vorfeld geklärt – zum Beispiel die berufliche und familiäre Situation“, berichtet Dinges. „Fabian ist zudem sechs Jahre älter als ich und für mich war es wichtig, ob er noch Lust hat, fünf oder sechs Jahre zu pfeifen.“
Den Rahmen klar abzustecken, empfiehlt Baumgart auch für die Basis – und zwar erst einmal für sich alleine. „Es ist wichtig, sich zu hinterfragen, was man will“, betont der erfahrene Unparteiische. „Das ist der erste und wichtigste Schritt in einer solchen Situation. Wenn dein Partner aufhört, musst du dir überlegen: Was willst du und was bist du bereit, zu investieren und vielleicht auch zu opfern? Welchen Weg willst du gehen?“
Denn als Schiedsrichter, so Baumgart weiter, „bist du von deinem Partner abhängig; ihr könnt den Weg nur gemeinsam gehen.“ Entsprechend wichtig ist es, ehrlich und offen miteinander zu besprechen, was man erreichen will und welchen Stellenwert das Pfeifen jeweils hat. „Dass es auf dem Feld funktioniert, ist nämlich nur die eine Seite, auch das Drumherum gehört dazu“, betont auch Dinges.
Baumgart ist bereits sein dritter Partner im Deutschen Handballbund; zweimal wurde er von den Umständen gezwungen, sich in einem neuen Team zusammenzuschließen. „Ob ein Partnerwechsel gelingt, hängt stark von der Persönlichkeit ab“, glaubt Dinges. „Man muss von beiden Seiten offen sein für Veränderung.“
Er empfiehlt, einen Partnerwechsel nicht nur als Rückschlag zu sehen. „Vielleicht ist es ja auch gar nicht schlecht, wenn man aus seiner Routine rauskommt“, beschreibt Dinges. „Routine kann positiv sein, weil man alles mit links macht und es einfach läuft, aber andererseits kann sich eine gewisse Bequemlichkeit einschleichen, sodass man nicht mehr in der Lage ist, sich zu verbessern.“
Ein Wechsel könne daher „eine große Chance sein“, hält Dinges fest. „Ich habe das schon einmal durchgemacht und ich habe es damals genauso empfunden. Beide Partner waren andere Persönlichkeiten und ich habe gemerkt, dass ich anders mit meinem neuen Partner reden muss. Das hat mich weitergebracht, weil ich mich neu einstellen und hinterfragen musste.“
Wenn der eigene Gespannpartner aufhören will, muss das nicht das Ende der Karriere bedeuten – auch, wenn es vielleicht anfangs schwierig scheint, einen neuen Kollegen zu finden. Was kann helfen?
„Wenn dein Partner aufhört, ist der erste Schritt, mit dem Schiedsrichterchef sprechen, weil der den Überblick hat, welcher Schiedsrichter noch wie lange pfeifen will und wo es in einem Gespann eventuell Probleme gibt“, empfiehlt Baumgart. „Manchmal hat man da als Schiedsrichter einfach nicht das Wissen. Ich wusste zum Beispiel auch nicht, dass Tobias aufgrund seiner beruflichen Veränderung das Pfeifen nicht mehr schafft – als Außenstehender kriegt man nicht mit, was in anderen Gespannen passiert. Daher ist der Schiedsrichter-Ausschuss erst einmal eine gute Anlaufstelle.“