Regelgerechte Ahndung eines Fußspiels

Berührt der Ball den Fuß eines Feldspielers, bemühen sich meist viele der anwesenden Zuschauer mit lauten, lang gezogenen „Fuuuuuß!"-Rufen, die Schiedsrichter bei ihrer Wahrnehmung zu unterstützen.

Vielfach ist man dann mit der Entscheidung der Schiedsrichter nicht einverstanden – allerdings ohne zu erkennen, dass es bei diesem Ereignis (Ball berührt den Fuß eines Feldspielers) durchaus unterschiedliche Entscheidungen geben kann. Deshalb soll anhand des vorliegenden Videobeispiels Klarheit geschaffen werden.

Was im Video geschieht

Mannschaft ROT ist im Angriff. Rückraum Mitte ROT 77 will einen Pass zur ihrer Mitspielerin ROT 26 (Rückraum Rechts) spielen. Abwehrspielerin BLAU 8 läuft in den Pass und kann den Ball abfangen. Allerdings bekommt BLAU 8 den Ball nicht unter Kontrolle, und der Ball fällt dabei zu Boden. Anschließend spielt BLAU 8 den Ball mit Fuß und Unterschenkel. Der Ball kommt dadurch zu ROT 77, die den Ball aufnehmen kann. ROT 77 passt dann zum Rückraum Links ROT 10, die den Ball zur Links-Außen ROT 9 weiterspielt. ROT 9 nutzt den Raum und erzielt – zum Unverständnis der Offiziellen von Mannschaft BLAU – ein Tor.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Gemäß den Bestimmungen der Regel 7:8 ist es nicht erlaubt, den Ball mit Fuß oder Unterschenkel zu berühren.

Gemäß Regel 13:1 unterbrechen die Schiedsrichter grundsätzlich das Spiel und lassen es durch einen Freiwurf für die andere Mannschaft wiederaufnehmen, wenn (13:1a) die ballbesitzende Mannschaft eine Regelwidrigkeit begeht, die zum Verlust des Ballbesitzes führen muss bzw. (13:1b) die abwehrende Mannschaft eine Regelwidrigkeit begeht, die dazu führt, dass die ballbesitzende Mannschaft den Ball verliert.

Die Schiedsrichter sollten aber eine Kontinuität im Spiel zulassen, indem sie eine vorschnelle Unterbrechung des Spiels durch eine Freiwurf-Entscheidung vermeiden (13:2).

Dies bedeutet, dass die Schiedsrichter gemäß Regel 13:1a keinen Freiwurf geben sollten, wenn die abwehrende Mannschaft unmittelbar nach der von der angreifenden Mannschaft begangenen Regelwidrigkeit in Ballbesitz kommt.

Gleichfalls sollten die Schiedsrichter gemäß Regel 13:1b erst dann eingreifen, wenn klar ist, dass die angreifende Mannschaft wegen der von der abwehrenden Mannschaft begangenen Regelwidrigkeit den Ballbesitz verloren hat oder nicht in der Lage ist, den Angriff fortzusetzen.

Spielfluss aufrechterhalten (grauer Pfeil, 13:2) oder Entscheidung auf Freiwurf (roter Pfeil)?

Abb. 1

Fazit

Trotz der Regelwidrigkeit von BLAU 8 kann Mannschaft ROT den Angriff fortsetzen. Die Schiedsrichterinnen haben in dieser Situation richtig und gut reagiert und damit die Kontinuität im Spiel zugelassen, indem sie eine vorschnelle Unterbrechung des Spiels durch eine Freiwurf-Entscheidung vermieden haben. Ein schöner Vorteil mit Torerfolg!