Gleiche Strafe für alle Arten von Kopftreffern
Seit dem 1. Juli 2022 werden Kopftreffer aus dem freien Spiel heraus sanktioniert. Erfolgt ein unbedrängter Wurf aus dem laufenden Spiel, bei dem der Werfer den Torwart am Kopf trifft und sich kein Abwehrspieler zwischen Werfer und Torwart befindet, ist hierfür eine Zwei-Minuten-Strafe vorgesehen.
Mit der zum 1. Juli 2025 in Kraft getretenen Regeländerung wird auch ein Kopftreffer bei einer Siebenmeter-Ausführung sowie bei einem direkten Freiwurf nach dem Schlusssignal mit einer direkten Hinausstellung (statt vorher mit einer Disqualifikation) geahndet.
Beispiel: 7-Meter-Wurf
BLAU 77 führt einen Siebenmeter-Wurf aus und trifft den Torwart dabei am Kopf/im Gesicht. Die Torschiedsrichterin unterbricht daraufhin sofort das Spiel und entscheidet gegen BLAU 77 auf eine direkte Hinausstellung = Kopftreffer, kein Vorteil, direkte Hinausstellung und Spielfortsetzung Freiwurf Mannschaft ROT.
Beispiel: Freiwurf nach dem Schlusssignal
Nach dem Schlusssignal zur Halbzeitpause ist noch ein direkter Freiwurf auszuführen. Die Werferin trifft die Abwehrspielerin am Kopf (direkter Kopftreffer), daher ist hier jetzt (nur noch) eine direkte Hinausstellung nach Regel 8:8e erforderlich.
Beispiel: aus dem freien Spiel
ROT 18 trifft die Torhüterin am Kopf/im Gesicht. Die Schiedsrichter geben sofort Time-out und zeigen richtigerweise zunächst das Handzeichen 16 (Erlaubnis für zwei teilnahmeberechtigte Personen zum Betreten der Spielfläche bei Time-out). Erst danach wird die fällige Hinausstellung angezeigt (im Video nicht mehr zu sehen).
Hinweis
Täuscht der Torwart den Schiedsrichter mit dem Ziel, eine Bestrafung für den Gegner herbeizuführen – etwa indem er vorgibt, vom Ball am Kopf getroffen worden zu sein, obwohl dieser tatsächlich die Brust traf –, ist gemäß Regel 8:8h eine direkte Hinausstellung auszusprechen.
Wenn der Torwart seinen Kopf Richtung Ball bewegt
Ein häufiger Diskussionspunkt ist, was eigentlich damit gemeint ist, dass die Regel nicht greift, weil der Torwart seinen Kopf Richtung Ball bewegt hat.
Im Zusammenhang mit diesem Ausnahmeparagrafen ist gemeint, dass Abwehrbewegungen des Torwarts nicht zu seinen Lasten gehen dürfen.
Bei normalen (absolut typischen) Torwartbewegungen sind die Werfer in der Pflicht, dass der Kopf nicht getroffen wird. Wenn der ganze Körper in Bewegung ist, ist auch damit der Kopf in Bewegung.
Ein Torwart bewegt seinen Kopf nur dann aktiv Richtung Ball, wenn er ihn z. B. bei einem hohen Wurf bewusst einsetzt, um überhaupt den Ball abzuwehren. Der oben zitierte Passus, den Kopf in Richtung Ball bewegen, bezieht sich also auf eine Handlung, in der der Torwart bewusst den Kopf in die Ballrichtung bewegt, mit der Absicht, den Ball mit dem Kopf halten zu wollen oder eine Bestrafung des Angreifers zu erreichen.
Daher folgen die Kriterien dabei einem wichtigen Grundsatz: Es liegt in der Verantwortung des Werfers, nicht den Kopf des Torwarts zu treffen!
Bei Abwehrbewegungen des Torwarts, egal wie weit er zur Seite springt oder anders versucht den Ball zu halten, ist die Verantwortung daher bei direkten Kopftreffern aus einer freien Spielsituation dem Werfer aufzuerlegen. Die Wucht des Wurfes ist dabei irrelevant.
Ein anderer wichtiger Faktor ist zu erkennen, ob der erste Kontakt mit dem Ball am Kopf des Torwarts erfolgt oder den Kopf des Torwarts erst trifft, nachdem er zuvor ein anderes Körperteil des Torwarts getroffen hat.
Was für den Torwart gilt, gilt im Übrigen auch für den Abwehrspieler beim Freiwurf nach dem Schlusssignal.
An dieser Stelle sei nochmals herausgestellt, dass es sich in der Regel 8:8d und e um Kopftreffer generell handelt und nicht nur um Gesichtstreffer.
Fazit
Ob Kopftreffer aus dem freien Spiel (entsprechend den Kriterien), beim Siebenmeter-Wurf oder beim direkten Freiwurf nach dem Schlusssignal, das Ergebnis – die Bestrafung – ist jetzt gleich.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.