Quelle: DHB

Freiwurfausführung nach Halbzeit- oder Schlusspfiff

Muss nach Ende der Spielzeit noch ein Freiwurf ausgeführt werden, hat sich die aktuelle Regel bewährt. Verzögerungen, häufige Korrekturen der Schiedsrichter und diverse Spielerwechsel gehören eigentlich der Vergangenheit an. Dass es nicht immer so ist, zeigt der heutige Pfiff der Woche.

Ahndung von Regelwidrigkeiten vor oder mit dem Ertönen des Schlusssignals

Gemäß Regel 2:4 sind Regelwidrigkeiten […] vor oder mit dem Ertönen des Schlusssignals (bei Halbzeit- oder Spielende bzw. zum Ende der Halbzeiten einer Verlängerung) zu ahnden, auch wenn die Ausführung des Freiwurfs (nach Regel 13:1) […] nicht vor dem Schlusssignal erfolgen kann.

Die Schiedsrichter beenden das Spiel erst, wenn der Freiwurf […] ausgeführt […] wurde und das Ergebnis dieses Wurfes feststeht.

Erlaubte und verbotene Wechsel

Gemäß Regel 2:5 gelten für Freiwurfausführungen nach Ertönen des Schlusssignals gegenüber normalen Freiwürfen während der Spielzeit besondere Bestimmungen. Nur die ausführende Mannschaft darf einen Spieler auswechseln. Die abwehrende Mannschaft darf nur einen Feldspieler gegen einen Torwart auswechseln, wenn sie beim Ertönen des Schlusssignals ohne Torwart spielte. Ansonsten sind der abwehrenden Mannschaft keine Wechsel erlaubt.

Ausführung

Will eine Mannschaft ihre Wurfchance noch wahrnehmen, müssen die Schiedsrichter außerdem auf die bei Freiwürfen sonst üblichen Regelwidrigkeiten beider Mannschaften achten. Wiederholte Regelwidrigkeiten durch die Abwehrspieler (Regel 15:4, 15:9, 16:1b, 16:3d) müssen genauso geahndet werden wie Regelwidrigkeiten der Angriffsspieler. Gelegentlich überschreiten ein oder mehrere Spieler die Freiwurflinie nach dem Pfiff, aber bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat, oder der Werfer bewegt sich beim Wurf oder springt (Regel 13:7 Abs. 3, 15:1, 15:2, 15:3). 

Was im Video geschieht

Der Torschiedsrichter entscheidet kurz vor Spielende auf Freiwurf für Mannschaft GRÜN. Kurz danach ertönt das automatische Schlusssignal. Von der abwehrenden Mannschaft GELB verlässt zunächst Spieler GELB 2 die Spielfläche; dafür wechselt GELB 20 ein. GELB 5 rennt ebenfalls zur Bank, kommt aber wieder auf das Spielfeld zurück (ob er die Spielfläche tatsächlich verlassen hat, ist im Video nicht ersichtlich, aber auch nicht relevant). Kurz vor der Ausführung kommt ein Pfiff von der Delegierten. Der Feldschiedsrichter begibt sich zum Tisch und wird über den Wechselfehler informiert. Der Feldschiedsrichter gibt daraufhin gegen GELB 20 eine Hinausstellung. Zusätzlich erläutert die Delegierte dem Offiziellen den Grund der Hinausstellung. Anschließend wird der Freiwurf nach dem Schlusssignal ausgeführt.

Die regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im Schiedsrichterwesen des DHB 

Die Einschränkungen bezüglich Spielerwechsel gemäß Regel 2:5 sind zu beachten (4:5 und 13:7). Der Wechsel von Mannschaft GELB ist nicht erlaubt. Daher ist die Hinausstellung von GELB 20 korrekt.

Die Delegierte sowie der Zeitnehmer/Sekretär haben hier alles richtig gemacht.

Was wäre, wenn …

Selbst wenn GELB 5 im Auswechselbereich gewesen wäre und ein anderer Spieler dafür die Spielfläche betreten hätte, wäre es bei der Hinausstellung von GELB 20 geblieben. Denn gemäß Regel 4:5 heißt es: Begehen mehrere Spieler einer Mannschaft in der gleichen Situation einen Wechselfehler, so ist nur der erste Spieler, welcher eine Regelwidrigkeit begeht, zu bestrafen. Der eingewechselte Spieler für GELB 5 hätte dann die Spielfläche wieder verlassen müssen und GELB 5 könnte auf das Spielfeld zurückkehren.

Freiwurfausführung

Bei der Freiwurfausführung nach dem Schlusssignal ist bereits vor der Ausführung auf eine korrekte Stellung des Werfers, seiner Mitspieler und der abwehrenden Mannschaft zu achten. Die Freiwurflinie darf vom Werfer weder berührt noch überschritten werden, bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat. Außerdem ist darauf zu achten, dass bis dahin der Werfer mit einem Fuß ununterbrochen Bodenkontakt hat (Regel 13:7 Abs. 3, 15:1, 15:2, 15:3).

Wie es besser und erfolgreicher bei der Freiwurfausführung nach dem Schlusssignal geht, zeigt das zweite Beispiel.

Was im Video geschieht

Mannschaft ROT führt noch nach Ertönen des Schlusssignals (hier Halbzeit) einen Freiwurf aus. Der Feldschiedsrichter weist zunächst die abwehrende Mannschaft auf das korrekte Verhalten und die Ausgangsstellung hin. Anschließend geht er zum Werfer und weist ihn ebenfalls auf die korrekte Position hin. Dann pfeift er den Wurf an und der Werfer erzielt regelgerecht ein Tor.