Screenshot: sportdeutschland.tv

Freiwurf nach dem Schlusssignal

Häufig ist eine Mannschaft, die nach Ablauf der regulären Spielzeit noch Gelegenheit zur Ausführung eines Freiwurfs hat, nicht mehr daran interessiert, ein Tor zu erzielen; entweder ist das Spiel bereits entschieden oder die Entfernung zum Tor zu groß. Obwohl die Regeln eine Ausführung des Freiwurfs vorschreiben, sollten die Schiedsrichter diesen als ausgeführt betrachten, wenn ein Spieler in wenigstens annähernd korrekter Position den Ball nur fallen lässt oder den Schiedsrichtern aushändigt.

Will eine Mannschaft ihre Wurfchance noch wahrnehmen, müssen die Schiedsrichter ihr diese gewähren (selbst wenn sie nur sehr gering ist), aber darauf achten, dass die Situation nicht zu einem zeitaufwendigen „Theater“ wird. Deshalb sollten sie die Spieler beider Mannschaften rasch in die korrekten Positionen bringen, damit der Freiwurf unverzüglich ausgeführt werden kann. Die Einschränkungen bezüglich Spielerwechsel und -positionen gemäß Regel 2:5 sind zu beachten (4:5 und 13:7).

Für Freiwurfausführungen oder -wiederholungen nach Regel 2:4 (Wiederholung des Wurfes nach Ertönen des Schlusssignals) gelten gegenüber normalen Freiwürfen während der Spielzeit besondere Bestimmungen. Wenn alle Bestimmungen beachtet wurden und der Freiwurf dann zur Ausführung angepfiffen wurde, können weitere Regelwidrigkeiten und Unsportlichkeiten entstehen, die durch die Schiedsrichter zu beachten und zu ahnden sind.

Beispiel Titelbild

Mannschaft MAGENTA ist im Angriff und muss noch einen Freiwurf nach dem Schlusssignal (1. Halbzeit) ausführen. MAGENTA 9 führt den Freiwurf nach Anpfiff durch den Feldschiedsrichter aus und trifft dabei SCHWARZ 5 am Kopf, die daraufhin zu Boden geht. Die Schiedsrichter zeigen nach kurzer Beratung die rote Karte. 

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Die Regelungen für den Kopftreffer beim 7-Meter-Wurf gelten auch für Kopftreffer in Freiwurf-Situationen, die für die Abwehrspieler genauso gesundheitsgefährdend sein können.  

Ein als Torwurf ausgeführter Freiwurf gegen den Kopf eines Abwehrspielers aus nur drei Metern Distanz kann zu ernsthaften Verletzungen führen.

Der Kommentar zu Regel 8:9 enthält eine Formulierung, die sich auf das Einschätzen möglicher Risiken bezieht. Danach trägt bei 7-m-Würfen oder Freiwürfen der Werfer die (alleinige) Verantwortung dafür, dass der Torwart bzw. der Abwehrspieler nicht gefährdet wird.

Der Kopftreffer bei einem direkt ausgeführten Freiwurf führt allerdings nur dann zur Disqualifikation, wenn der Freiwurf nach dem Schlusssignal (Halbzeit oder Spielende) ausgeführt wird.

Dies wurde mit der Regeländerung zum 01.07.2024 nunmehr eindeutig festgeschrieben.

Kopftreffer in Freiwurf-Situationen (8:9e)

In 8:9e heißt es nunmehr: Wenn der Werfer eines Freiwurfs, der nach dem Schlusssignal gemäß Regel 2:4 ausgeführt wird, den Abwehrspieler am Kopf trifft und dieser nicht seinen Kopf Richtung Ball bewegt, ist das Vergehen als grob unsportlich anzusehen und mit Disqualifikation zu ahnden.

Hinweis

Während des Spiels wird die Aktion wie bei einem Wurf aus dem Spiel behandelt – Bestrafung ist hier situationsgemäß (im Rahmen einer Unsportlichkeit) denkbar.