Quelle: DHB
Leeres Tor – Konsequenzen für das Stellungsspiel der Schiedsrichter
Bedeutung „Leeres Tor“
Gemäß Regel 4:1 dürfen sich auf der Spielfläche gleichzeitig höchstens sieben Spieler einer Mannschaft befinden. Die frühere Vorgabe, dass während des gesamten Spiels ein Spieler auf der Spielfläche als Torwart gekennzeichnet sein muss, wurde mit der Regeländerung 2016 aufgehoben. Der Einsatz eines zusätzlichen Feldspielers anstelle eines Torwarts ist ein taktisches Mittel, um eine Überzahlsituation zu erreichen oder die eigene Unterzahl durch die Hereinnahme eines 6. Feldspieler auszugleichen. In fast allen Spielklassen ist dies bei Unterzahl inzwischen nahezu üblich, wie ein Video aus einer Oberliga zeigt.
Welche Konsequenzen hat das für die Schiedsrichter?
Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Schiedsrichter wahrgenommen haben müssen, wenn eine Mannschaft ohne Torwart spielt. Denn in diesem Fall ist die regelwidrige Verhinderung eines Wurfs auf das leere Tor gemäß Erläuterung 6c nicht mit einem Freiwurf, sondern mit einem 7-Meter-Wurf zu ahnden. Das Tor gilt als „leer“, sobald der Torwart seinen Torraum verlassen hat (er muss sich also nicht im Auswechselraum befinden).
Spielt eine Mannschaft ohne Torwart, sollte dies auch Auswirkungen auf das Stellungsspiel der Schiedsrichter haben. Denn die angreifende Mannschaft versucht nach Abschluss des Angriffs so schnell wie möglich, den Torwart wieder einzuwechseln. Dazu läuft ein Spieler auf dem kürzesten Weg zur Bank, der Torhüter im Anschluss auf direktem Weg in seinen Torraum. Den ebenfalls zurücklaufenden Schiedsrichter haben die Spieler oft nicht im Blick. Höchst problematisch wird dies dann, wenn sich der Laufweg von Spielern und dem Schiedsrichter kreuzt. Wie in den Videos gut zu erkennen ist, konnten Zusammenstöße der einwechselnden Torhüter mit den Schiedsrichtern nur ganz knapp und mit viel Glück verhindert werden.
Hier ein Lösungsvorschlag von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im Schiedsrichterwesen des DHB:
Das Problem lässt sich lösen, indem der Feldschiedsrichter auf der Seite gegenüber der Bank steht, sobald eine Mannschaft ohne Torwart spielt. Somit lassen sich potentiell gefährliche Kreuzungen mit aus- bzw. einwechselnden Spielern vermeiden.
Wie bereits dargestellt, wird häufig bei Unterzahl der Torhüter zugunsten des 6. Feldspielers ersetzt. Im Idealfall wechseln die Schiedsrichter – sofern erforderlich – im Falle einer Hinausstellung eines Abwehrspielers direkt ihre Positionen, sodass der Feldschiedsrichter bei Anpfiff des Frei- oder 7-Meter-Wurfs auf der Bankseite steht. Das ist unproblematisch möglich, da die Spielzeit angehalten ist. Der große Vorteil besteht darin, dass beim anschließenden Wechsel des Ballbesitzes der Torschiedsrichter, der dann Feldschiedsrichter wird, direkt eine Position auf der bankfernen Seite einnimmt. In diesem Fall sind die Schiedsrichter diejenigen, die agieren.
Sollte sich der Ersatz des Torhüters durch einen Feldspieler nicht andeuten und die Schiedsrichter insofern diesen Wechsel nicht antizipieren können (z. B. Einwechselung 7. Feldspieler), ist es ratsam, einen unplanmäßigen Positionswechsel im laufenden Angriff vorzunehmen. Hier reagieren die Schiedsrichter.
Fazit
Das Risiko eines Zusammenpralls mit dem einwechselnden Torwart sollte auf jeden Fall vermieden werden. Dabei ist auch kurzfristig in Kauf zu nehmen, dass einen Angriff lang beide Schiedsrichter auf derselben Seite stehen! Denn auf keinen Fall sollte der Feldschiedsrichter nach Abschluss des Angriffs diagonal auf die Position des Torschiedsrichters zurücklaufen!
Mit Headset sind solche Situationen im Gespann in der Regel einfacher zu regeln. Ohne Headset ist Blickkontakt sowie eine gute Abstimmung der Schiedsrichter für einen reibungslosen Wechsel erforderlich, damit derart gefährliche Situationen erst gar nicht entstehen.
Also: Augen auf beim Torwartlauf!
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.