Ausbilder und Teilnehmer der ersten E-Learning-Grundausbildung im Kreishandballverband Neumünster (Foto: privat)
Erste Schiedsrichterausbildung nach dem neuen DHB-Rahmenkonzept: Erfahrung trifft auf Neues
Yannick Porepp, Schiedsrichter-Lehrwart des Handballkreises, führte als einer der ersten die Schiedsrichterausbildung nach dem neuen Rahmenplan durch. Über seine Erfahrungen, die bisherige Ausbildung im Kreis Neumünster, die Schwierigkeiten einer Ausbildung zu Corona-Zeiten, aber auch über viel Spaß bei der Durchführung von etwas Neuem lesen Sie in diesem Bericht.
Die „alte“ Ausbildung im Handballkreis Neumünster
Über 600 Schiedsrichter aus allen Landesteilen hat das Team um Yannick Porepp bereits ausgebildet. Ursprünglich war die Schiedsrichterausbildung im KHV Neumünster für die zugehörigen Vereine gedacht, doch durch den guten Ruf der Schiedsrichterausbildung – über die Kreisgrenzen und die schleswig-holsteinische Landesgrenze hinaus – kamen auch Teilnehmer aus Hamburg dazu.
„Es erfüllt uns alle mit Stolz, dass zahlreiche Vereine in Schleswig-Holstein und Hamburg uns ihre angehenden Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter anvertrauen, weil sie wissen, dass sie bei uns gut aufgehoben sind und viel lernen können“, freut sich Sven Misselwitz, Kreisschiedsrichterwart im KHV Neumünster.
Bislang wurde die Ausbildung des KHV Neumünster in der Landesturnschule in Trappenkamp – wie vielerorts – an einem Wochenende mit Übernachtung von Samstag auf Sonntag durchgeführt. Sie folgte einem modularen Aufbau mit theoretischen als auch praktischen Inhalten.
„Das Besondere an unserer Ausbildung war auch immer, dass wir das Gemeinsame und Zwischenmenschliche nicht aus den Augen verloren haben – eine ‚Ausbildung auf Augenhöhe‘ eben. Beim gemeinsamen Grillabend z. B. konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit erfahrenen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern ins Gespräch kommen und sich nebenbei auch kennenlernen. Das war uns allen immer sehr wichtig“, erinnert sich Yannick Porepp.
Auf zu neuen Wegen
Nach Bekanntwerden der neuen Richtlinien für eine bundeseinheitliche Schiedsrichtergrundausbildung des DHB war direkt klar, dass der KHV Neumünster das neue Konzept als einer der ersten Handballkreise ausprobieren möchte. Zu Beginn galt es, grundsätzliche Fragen zum Ablauf zu klären, um im Anschluss Vereine und Teilnehmer über das neue Konzept informieren zu können. Hier war der enge und vertrauensvolle Kontakt zu Wolfgang Jamelle wichtig.
Drei Wochen nach den ersten Absprachen – in Rekordzeit – konnte so das neue Konzept in die bisherigen Strukturen eingegliedert und umgesetzt werden.
Der Einstieg in die neue Ausbildung: Die Informationsveranstaltung
Gestartet wurde mit 53 Teilnehmern im durchschnittlichen Alter von 14 Jahren, die sich zur Ausbildung angemeldet hatten. Sie alle erschienen zur verbindlichen Informationsveranstaltung am 9. August 2020 in Bordesholm. Aufgrund der hohen Anmeldezahl wurde die Veranstaltung in zwei Durchläufen am Abend – selbstverständlich unter Berücksichtigung der aktuellen Hygienebestimmungen – in etwa anderthalb Stunden durchgeführt.
Es ging vor allem darum, den weiteren Ausbildungsablauf zu erläutern. Dabei wurde auch das DHB-Schiedsrichterportal vorgestellt, worüber alle Online-Module der Ausbildung durchgeführt werden. Jeder Teilnehmer erhielt hierzu einen mehrstelligen Code, mit dem nach Anmeldung im Portal im persönlichen Account die erste Online-Lektion freigeschaltet werden konnte.
Der Abend endete mit einem Vortrag von DHB-Schiedsrichter Sebastian Klinke, der erzählte, was ihn und seinen Bruder angetrieben hat, Schiedsrichter zu werden. Seine Erfahrungen hat er auch im praktischen Teil vermittelt.
Das erste Online-Modul
Nach der Info-Veranstaltung hatten die Teilnehmer zwei Wochen Zeit für die selbstständige Bearbeitung des ersten Online-Moduls „Basiswissen“. Das Modul bietet neun Lektionen, in denen die grundlegenden Regeln zu „Spielfläche“, „Torgewinn“ oder „Spielen des Balls“ behandelt werden. Jede Lektion wird durch Texte, Bilder und Videos aufschlussreich vermittelt. Jeweils am Ende erfolgt eine Lernzielkontrolle in Form eines kleinen Regeltests. Erst nach richtiger Beantwortung der Fragen wird die folgende Lektion freigeschaltet. Sind alle Lektionen samt Lernzielkontrollen erfolgreich bearbeitet worden, kann ein Zertifikat als PDF heruntergeladen werden.
Während der Bearbeitung konnten sich die Teilnehmer bei Fragen gerne an das Ausbilderteam wenden, wovon ab und an auch Gebrauch gemacht wurde.
Das erste Praxismodul – ab hier nur noch mit Zertifikat
Um den Teilnehmern eine Terminauswahl anbieten zu können und gleichzeitig der Pandemie-Lage gerecht zu werden, wurde das erste Praxismodul am 22. und am 23. August 2020 jeweils von 10 bis 14 Uhr durchgeführt. Die angehenden Schiedsrichter qualifizierten sich zunächst durch Vorweisen des erlangten Online-Zertifikats für die Teilnahme vor Ort – ausgedruckt oder auf dem Smartphone.
Nach einem Aktivierungsspiel gab es die Möglichkeit, Fragen zum Online-Modul „Basiswissen“ zu stellen. Die Themen-Schwerpunkte des Praxis-Moduls waren Stellungsspiel, Aufgabenverteilung und Handzeichen, die auch bei der Leitung kurzer Trainingsspiele aufgegriffen wurden. Hierbei konnte die Pfeife, die bei der Anmeldung in einem Schiedsrichter-Set (Regelheft; gelbe, rote und blaue Karte sowie Pfeife) an alle verteilt wurde, ausgiebig getestet werden.
Zum Abschluss erhielten die Anwesenden erneut einen Code für die Bearbeitung des zweiten Online-Moduls „Aufbauwissen“. Hierzu standen drei Wochen Bearbeitungszeit zur Verfügung.
Ein starkes Team
Das Praxismodul machte deutlich, wie wichtig ein gutes Team für die Durchführung der Ausbildung ist. Insgesamt zehn Mitglieder des Lehrstabs des KHV Neumünster standen an den beiden Tagen den angehenden Schiedsrichtern zur Seite, was bei der großen Teilnehmerzahl auch erforderlich war, da neben dem praktischen Ablauf auch Organisatorisches, wie der Abgleich von Zertifikaten und das Ausfüllen von Teilnahmelisten, erledigt werden musste.
„Ich bin richtig froh, dass wir ein so tolles und starkes Team sind. Das Ganze bringt so, trotz der aktuellen Lage, immer noch eine Menge Spaß, wenngleich zu so einem Termin auch viel Vorbereitung gehört. Unsere Erfahrungen und die bestehenden Unterlagen aus der bisherigen Ausbildung haben uns hier eine Menge geholfen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass einige Kolleginnen und Kollegen hier an ihre Grenzen kommen werden, da der Rahmenplan für die praktischen Module nicht viel Hilfestellung gibt und sehr viel Handlungsspielraum lässt“, so Yannick Porepp.
Nächste Online-Runde: Aufbauwissen
Wie zuvor haben die Teilnehmer das Online-Modul „Aufbauwissen“ selbstständig bearbeitet. Bei diesem aus zwölf Lektionen bestehenden Modul ging es u. a. um „Vorteilsauslegung“, „7. Feldspieler“, „Ausführung von Würfen“ und „Passives Spiel“.
Zwischenzeitlich meldeten sich drei Personen von der Ausbildung ab, da sie wegen der Schule nicht ausreichend Zeit für die Bearbeitung der Online-Lektionen hatten.
Das zweite Praxismodul
Die übrigen 50 Teilnehmer machten mit dem zweiten Praxismodul am 12. oder 13. September 2020 weiter. Ein Termin fand in Bordesholm und der andere in Bad Bramstedt statt – örtliche Auswahl ist gut. Wieder musste das generierte Zertifikat zum vorherigen Online-Modul vorgelegt werden.
Inhaltlich ist das Praxismodul eng mit dem vorherigen Online-Modul verknüpft, sodass hier die genannten Themen noch einmal unter praktischen Gesichtspunkten beleuchtet wurden. Abschließend wurde erneut ein Code für das anschließende Online-Modul „Fachwissen“ ausgehändigt, mit dem die Teilnehmer in die letzte eigenverantwortliche Phase verabschiedet wurden.
Abschluss des Online-Lernens: Fachwissen
In dem aus zwölf Lektionen bestehenden Online-Modul geht es vor allem um Regelwidrigkeiten und unsportliches Verhalten. Besonders der Aufbau von Strafen und die Anwendung des richtigen Strafmaßes sind hier Schwerpunkte.
Auf Nachfrage gaben viele Teilnehmer an, dieses Modul als das schwierigste empfunden zu haben. Das wurde auch durch auffallend viele Nachfragen zu einigen Fragestellungen deutlich. Vielleicht liegt es daran, dass sich etliche der Teilnehmer die theoretischen Regelfragen erst einmal noch nicht in der praktischen Umsetzung vorstellen können. Nach erfolgter Hilfestellung wurden dann nämlich zumeist die richtigen Antworten gegeben.
Eine besondere Herausforderung: Das letzte praktische Modul in Zeiten von Corona
Beim letzten Praxismodul am 24. Oktober 2020 in Bad Bramstedt wurden alle Teilnehmer in fünf Gruppen eingeteilt, um der aktuellen Pandemie-Lage gerecht zu werden. Praktische Inhalte mussten leider aufgrund steigender Infektionszahlen auf ein Minimum reduziert werden.
Es ging vor allem um „Progression“, „Stoßen in der Luft“ und „Jugendspielformen“. Die Teilnehmer wurden zusätzlich mit Tablets für den „Spielbericht online“ fit gemacht.
„Die steigenden Infektionszahlen haben uns zusätzlich vor eine besondere Herausforderung gestellt. Unser Anliegen ist es natürlich, neben einer qualitativ hochwertigen Ausbildung auch die Gesundheit aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewährleisten “, merkt Yannick Porepp an. „Wir konnten dennoch ein gutes Programm, welches sich am Rahmenlehrplan orientierte, auf die Beine stellen.“
Die Bramstedter Turnerschaft und die SG Bordesholm/Brügge stellten während der gesamten Ausbildung die benötigten Sporthallen zur Verfügung. Dadurch wurde eine reibungslose Durchführung der Ausbildung erst möglich.
Der Regeltest
Im Rahmen des letzten Praxismoduls wurde zum Abschluss der Regeltest geschrieben. Hierzu mussten 30 Fragen bearbeitet werden, die identisch mit den Fragen aus den Lernzielkontrollen der online bearbeiteten Lektionen waren. Erfreulicherweise konnten alle 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die erforderlichen 70 % zum Bestehen erreichen.
Die letzte Hürde: Die praktische Prüfung
Die neuen Schiedsrichteranwärter haben es fast geschafft. Die praktische Prüfung ist die letzte zu nehmende Hürde, die auch bei Handballturnieren absolviert werden könnte. Da diese jedoch derzeit nicht stattfinden, werden sie für unsere angehenden Kollegen im Rahmen der ersten Spielleitungen durchgeführt.
Grundsätzlich werden hierbei die Prüflinge begleitet und es wird ein Beobachtungsbericht ausgefüllt. Die Ergebnisse werden im Anschluss an die Spielleitung besprochen. Die Vereinsschiedsrichterwarte melden hierzu ihre Vorschläge für einen Prüfungstermin an den Kreisschiedsrichterwart. Bei Verfügbarkeit einer Person aus dem Lehrstab kann die Prüfung dann abgenommen werden.
Das erste Gespann unserer Gruppe von der Bramstedter TS konnte schon am 25. Oktober 2020 beobachtet werden. Es hat damit als Erstes die neue Ausbildung erfolgreich bestanden. Die Prüfungen der übrigen Teilnehmer*innen stehen nun bevor.
„Für uns war es schlussendlich erleichternd zu sehen, dass das gesamte Konzept aufgegangen ist und wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgreich durch die Ausbildung begleiten konnten. Sobald die Corona-Pandemie vorüber ist, wollen wir neben dem bisherigen Konzept auch wieder mehr gemeinschaftliche Inhalte einbringen, da uns diese sehr wichtig sind“, so Yannick Porepp abschließend.