Umgang mit verletzten Spielern
Der Schutz und die Gesundheit der Spieler haben hierbei stets höchste Priorität. Es ist sicherzustellen, dass verletzten Spielern auf dem Spielfeld unverzüglich Hilfe geleistet wird. Die Voraussetzungen, unter denen bis zu zwei zusätzliche Personen die Spielfläche betreten dürfen, um einem betroffenen Spieler Unterstützung zu leisten, sowie etwaige Regelungen zum möglichen oder erforderlichen Verlassen des Spielfeldes durch den Spieler, sind in Regel 4:11 und Erläuterung 8 festgelegt.
Sind die Schiedsrichter absolut sicher, dass der verletzte Spieler auf der Spielfläche versorgt werden muss, sollten sie zuerst Time-out geben und der "Bank" des betreffenden Spielers unverzüglich das Handzeichen 16 anzeigen (Erlaubnis zum Betreten der Spielfläche).
In bestimmten Fällen ist ein Spieler nach einer medizinischen Behandlung verpflichtet, für drei aufeinanderfolgende Angriffe seiner Mannschaft zu pausieren. Das folgende Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, auch bei diesem Thema den Überblick zu behalten.
Was im Video geschieht
Der Ball landet beim Torwart Mannschaft GRÜN. Der den Ball durch den Abwurf mit einem Pass zum Mitspieler GRÜN 3 ins Spiel bringt. GRÜN 3 läuft mit dem Ball prellend nach vorne und spielt mit seinem Mitspieler GRÜN 18 hinter der Mittellinie einen Doppelpass. GRÜN 18 wird dabei von WEISS 91 regelwidrig gefoult. GRÜN 18 kann aber den Pass wieder zu GRÜN 3 spielen. Die Schiedsrichter lassen den Vorteil laufen. GRÜN 3 kommt trotz des Kontakts durch WEISS 7 zum Torwurf. Der Ball landet anschließend im Tor und der Torschiedsrichter entscheidet auf Tor für Mannschaft GRÜN. GRÜN 3 verletzt sich in der Situation und bleibt auf dem Spielfeld liegen. Die Schiedsrichter geben zunächst Time-out (Handzeichen 15) und zeigen anschließend eine Hinausstellung gegen WEISS 91 an. Unmittelbar danach geben die Schiedsrichter das Handzeichen 16, damit der offensichtlich verletzte Spieler GRÜN 3 auf der Spielfläche versorgt werden kann. Nachdem dann GRÜN 3 die Spielfläche verlassen hat, wird das Spiel mit Anwurf Mannschaft WEISS fortgesetzt.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Scheint ein Spieler verletzt, ohne dass es offensichtlich einer Behandlung bedarf, fragen die Schiedsrichter zunächst den Spieler, ob er behandelt werden muss. Verneint der Spieler dies, so hat er unverzüglich aufzustehen und weiterzuspielen oder sich zur Behandlung in den Auswechselraum zu begeben. Möchte er behandelt werden, gibt der Schiedsrichter spätestens jetzt das Zeichen für Time-out und das Handzeichen 16 (Erlaubnis zum Betreten der Spielfläche).
Sind die Schiedsrichter absolut sicher, dass der verletzte Spieler auf der Spielfläche dringend versorgt werden muss, geben sie sofort Time-out und zeigen der "Bank" des betreffenden Spielers unverzüglich das Handzeichen 16 an (Erlaubnis zum Betreten der Spielfläche).
Nach Anzeige des Handzeichens 16 dürfen dann grundsätzlich nur zwei teilnahmeberechtigte Personen (also auch Spieler – sogar hinausgestellte) der betroffenen Mannschaft das Spielfeld betreten. Betritt eine dritte Person die Spielfläche, müssen die Schiedsrichter dieses Vergehen progressiv bestrafen (Spieler nach Regel 4:6, Offizielle nach Regel 4:2). Gleiches gilt für Personen der nicht betroffenen Mannschaft.
Die nachfolgende Regelung gilt im Bereich des DHB nur für den vom DHB und den Ligaverbänden geführten Spielbetrieb sowie für die Verbände, die für ihren Spielbetrieb (verbandsübergreifend, gesamter Bereich oder auf einzelne Spielklassen bezogen) die Regel 4:11, Abs. 2 beschlossen haben (hier sind die jeweiligen Durchführungsbestimmungen zu beachten).
Verfahren
Ein Spieler, der wegen einer Verletzung behandelt wurde, muss anschließend für drei Angriffe seiner Mannschaft aussetzen, er darf aber durch einen anderen Spieler ersetzt werden (Ausnahme siehe Beitrag vom 16.06.2025: Freiwurfausführung nach dem Schlusssignal – Umgang mit verletzten Abwehrspielern).
Betritt er zu früh wieder das Spielfeld, wird dies als Wechselfehler geahndet. Die Pflicht zum Aussetzen endet in jedem Fall mit dem Ende der Halbzeit oder mit einer Hinausstellung für den Spieler.
Wird die Erlaubnis zum Betreten des Spielfeldes zum Zwecke der Behandlung (Handzeichen 16) gegeben, ist das Verweigern der Behandlung als unsportliches Verhalten zu bewerten und der Mannschaftsverantwortliche progressiv zu bestrafen.
Die drei Angriffe werden von Z/S oder Delegiertem gezählt. Diese geben der Mannschaft einen Hinweis, sobald die drei Angriffe abgelaufen sind. Ein Angriff beginnt mit Ballbesitz (auch wenn der Ballbesitz bereits vor der Behandlung bestand) und endet mit Torerfolg oder Ballverlust.
Ausnahmen
Die Aussetz-Pflicht gilt nicht, wenn
- die Verletzung aus einer Regelwidrigkeit resultiert, für die der Gegenspieler progressiv bestraft wird;
- ein Torwart behandelt werden muss, weil er vom Ball am Kopf getroffen wurde.
Wie ist nun die komplexere Situation in dem Angriff zu bewerten
Die Schiedsrichter haben das Verhalten von WEISS 91 gegenüber GRÜN 18 als regelwidrig eingestuft und eine Hinausstellung ausgesprochen. Die Verletzung sowie die nachfolgende Behandlung waren jedoch auf den Kontakt zwischen GRÜN 3 und WEISS 7 zurückzuführen.
Da die Verletzung nicht durch eine progressiv zu bestrafende Regelwidrigkeit verursacht wurde, muss der Spieler GRÜN 3 nach der Behandlung die Spielfläche verlassen und drei Angriffe aussetzen.
Fazit
Die Situation verdeutlicht, dass es in komplexeren Spielsituationen erforderlich ist, den Überblick zu behalten. Eine Hinausstellung führt nicht grundsätzlich dazu, dass ein Spieler nach einer Behandlung auf dem Spielfeld verbleiben darf; vielmehr muss differenziert werden, wer medizinisch behandelt wurde und ob für die dafür ursächliche Regelwidrigkeit eine progressive Strafe ausgesprochen wurde.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.