Los gehts: Anpfiff zur neuen Schiedsrichtergrundausbildung! (Foto: imago)

Einheitliche Schiedsrichtergrundausbildung im DHB

Nach vielen, vielen Jahren des Wünschens, der Planung und der Umsetzung gibt es endlich eine einheitliche, onlinebasierte Schiedsrichtergrundausbildung im DHB.

Auf Grundlage der DHB-Schiedsrichterordnung (SRO) und der verbindlichen Richtlinien für die Landesverbände zur einheitlichen Durchführung der Schiedsrichtergrundausbildung im DHB ist nunmehr gewährleistet, dass eine einheitliche Grundausbildung aller neuen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern im Bereich des DHB erfolgt.

„Gut Ding will Weile haben“

Schon sehr früh gab es den Gedanken, die Ausbildung des Schiedsrichternachwuchses zu standardisieren. Am 24. Mai 2003 wurde dazu in Halberstadt unter Mitwirkung der zur Tagung anwesenden HV-Schiedsrichterwarte und -lehrwarte ein „Rahmenplan zur Schiedsrichtergrundausbildung im DHB“ beschlossen. Dieser erlangte aber nie eine Verbindlichkeit für die Durchführung der Schiedsrichtergrundausbildung in den Kreisen und Bezirken der Landesverbände. Er wurde in den Jahren danach immer wieder angepasst, richtig umgesetzt wurde er aber nie wirklich. Auch bei späteren Tagungen stand die Anwärterausbildung regelmäßig auf der Agenda. Die Forderungen waren meist die gleichen: Ein Konzept für eine einheitliche Schiedsrichtergrundausbildung und hierfür die (spätere) Nutzung moderner Medien. Der entscheidende Schritt nach vorne fehlte allerdings noch lange Zeit.

Auf der letzten Präsenztagung der SR-Lehrwarte Anfang Mai 2019 in Halberstadt wurde im Nachgang der Präsentation des unmittelbar vor Start stehenden neuen DHB-Schiedsrichterportals beschlossen, dass die verbindliche einheitliche und moderne Ausbildung der Schiedsrichteranwärter auf der Plattform des SR-Portals als nächstes bearbeitet werden sollte. Aus dieser Beauftragung wurde ein Projekt und innerhalb eines Jahres ein Modul für eine einheitliche und verbindliche Schiedsrichtergrundausbildung in der ganzen Republik.

Als Leiter der hierfür eingerichteten Arbeitsgruppe (und EHF-Delegierter) erhielt ich bei der Umsetzung tatkräftige Unterstützung von Wolfgang Jamelle (DHB-Schiedsrichterwart) als Initiator und von Jürgen Scharoff (IHF-Regelexperte) als Lektor. Die fachlich versierten Mitarbeiter*innen des Philippka-Sportverlages unterstützten das Projekt bei der digitalen Umsetzung.

„Jeder neue Anfang ist der Beginn von einem Ende“

Die heute vorgestellte Schiedsrichtergrundausbildung im DHB ist der Beginn einer neuen Ära, die die bisherige Ausbildungspraxis in den Landesverbänden ablösen wird.

Wir müssen uns immer bewusst sein, dass Schiedsrichter die Wahrnehmung unseres Sports maßgeblich mit beeinflussen und somit Multiplikatoren für die großartige Sportart Handball sind. Schiedsrichter*innen übernehmen dabei eine nicht zu unterschätzende Verantwortung. Umso wichtiger ist deshalb deren exzellente Ausbildung.

Wichtig zu erkennen: Die Ausbildung zum Elitekaderschiedsrichter (Spitzenschiedsrichter) beginnt bereits an der Basis. Die Grundausbildung ist für den späteren Schiedsrichter der Beginn seiner „Karriere“. Eine bestmögliche sowie umfassende Ausbildung und damit verbundene grundlegende Regelkenntnisse sind eine wesentliche Voraussetzung, die Anwärter*innen auf ihre Aufgabe vorzubereiten und langfristig zu halten. Das vermittelte Wissen und das Verstehen des Regelwerks bilden die Grundlage für die weitere Entwicklung und die Anwendung der Regeln in der Praxis.

Die „neue“ einheitliche Schiedsrichtergrundausbildung – onlinebasiert und standardisiert

Ziel der Schiedsrichtergrundausbildung ist und bleibt, die Schiedsrichter zur Leitung eines Handballspiels unter Beachtung der gültigen Regeln und Regelauslegungen zu befähigen – ab jetzt allerdings standardisiert und onlinebasiert.

Durch die Praxisanteile soll die Motivation der Teilnehmenden gesteigert werden – bei gleichzeitiger Reduzierung von Präsenzphasen und Frontalunterricht. Vor allem soll die Eigenverantwortung der Anwärter*innen gestärkt und eine einheitliche Wissensvermittlung ausschließlich auf Basis des E-Learnings sichergestellt werden. Die Schiedsrichtergrundausbildung soll eine einheitliche Auslegung und Umsetzung des Regelwerks, beginnend an der Basis, fördern. Ein für den Handballsport insgesamt sehr wichtiger Aspekt.

Die Ausbildung folgt dabei einem integrierten Lernkonzept (Blended Learning). Sie bietet eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von Präsenzveranstaltungen mit einer modernen Form von E-Learning. Theoretische und praktische Ausbildungsmodule finden im Wechsel statt.

Module der Ausbildung

  • Theoriemodul „Basiswissen“
  • Theoriemodul „Aufbauwissen“
  • Theoriemodul „Fachwissen“
  • Praxismodul 1 – Hallenausbildung
  • Praxismodul 2 – Hallenausbildung
  • Praxismodul 3 – Hallenausbildung

Die Ausbildung besteht also aus drei Praxismodulen (Präsenzausbildungen) in der Halle und drei Theoriemodulen. Die theoretische Ausbildung erfolgt ausschließlich im Selbststudium (selbstbestimmtes, online-basiertes Lernen = E-Learning).

Die Komplexität des Spiels und damit des Regelwerks erlaubt es nicht, sich bei der Ausbildung von Schiedsrichteranwärtern nur auf die wesentlichen Regeln zu konzentrieren und andere, vermeintlich unbedeutendere Regeln nicht zu vermitteln. Im Gegenteil: Eine umfassende Grundausbildung ist unabdingbar. Daher werden die drei Theoriemodule auch nicht nach der Reihenfolge der einzelnen Spielregeln vermittelt.

Für jedes Modul, jede Lektion wurden unterschiedliche Ausbildungsziele und Unterziele formuliert und vorgegeben. So vermittelt das Lernmodul „Basiswissen“ als Einstieg in die Ausbildung grundlegende Handballregeln und Begrifflichkeiten. Das Lernmodul „Aufbauwissen“ vermittelt weiterführende Handballregeln, die sowohl Schlüsselregeln als auch bereits seltene Situationen und Besonderheiten des Regelwerkes darstellen. Im Lernmodul „Fachwissen“ wird anhand unterschiedlicher Beispiele bzw. Situationen in anschaulicher Weise der Inhalt der Regeln 8 und 16 vermittelt und die theoretische Ausbildung abgeschlossen.

Zum besseren Verständnis sowie zur flexibleren Zeitplanung sind die einzelnen Lernmodule darüber hinaus in verschiedene Themenbereiche (= Lektionen) untergliedert, die innerhalb eines vom jeweiligen Ausbildungsleiter vorgegebenen Zeitrahmens bearbeitet werden müssen. Wie lange dieser Zeitraum ist, hängt dabei auch von den organisatorischen Rahmenbedingungen der jeweiligen Ausbildung in den Kreisen, Bezirken oder Landesverbänden ab und wird in einer Informationsveranstaltung zu Beginn der Ausbildung bzw. in den Praxismodulen durch den Ausbildungsleiter bekanntgegeben. So kann sich jeder Teilnehmende die Zeit des Lernens selbst einteilen und ist dabei an keinen festen Ort gebunden. Die Zeiten von Frontalunterricht sollten damit vorbei sein.

Ist ein Lernmodul absolviert, wird das nächste erst nach dem folgenden Praxismodul freigeschaltet. Innerhalb der Module sind die Lektionen linear zu absolvieren, d. h, die darauffolgende Lektion wird erst freigeschaltet, wenn eine kleine Lernerfolgskontrolle erfolgreich abgeschlossen wurde. Mit Bestehen der Lernerfolgskontrolle der letzten Lektion eines Moduls wird zudem ein Zertifikat generiert (PDF-Datei zum Download und Ausdrucken), das dem Lehrgangsleiter zu Beginn des folgenden Praxismoduls vorgelegt wird.

Die Praxiseinheiten bauen immer auf dem Erlernten der vorherigen (theoretischen) Lernmodule auf. Insofern macht auch der Praxisanteil einen qualitativen Unterschied der neuen Ausbildung aus.

Der Lehrgangsabschluss

Die gesamte Ausbildung schließt mit einer theoretischen und praktischen Prüfung ab. Die theoretische Prüfung erfolgt als Regelüberprüfung nach den gültigen IHF-Regeln. Der Regeltest erfolgt mit sogenannten Multiple-Choice-Fragen. Es sind grundsätzlich 30 Fragen aus einem extra vorgegebenen Fragenkatalog zu beantworten. Für das Bestehen der theoretischen Prüfung sind mindestens 70 % zu erreichen.

Nach Ablegen der theoretischen Prüfung findet die praktische Prüfung statt. Die Organisation dieser Prüfung erfolgt durch die jeweiligen Ausbildungsleiter. Einzelheiten dazu liegen in der Verantwortung der einzelnen Landesverbände.

Übersicht über den Gesamtablauf der Ausbildung

  1. Informationsveranstaltung
  2. Theoriemodul „Basiswissen“
  3. Praxismodul 1 (Praxis in der Halle)
  4. Theoriemodul „Aufbauwissen“
  5. Praxismodul 2 (Praxis in der Halle)
  6. Theoriemodul „Fachwissen“
  7. Praxismodul 3 (Praxis in der Halle)
  8. Abschlussprüfung Theorie
  9. Abschlussprüfung Praxis

Der Profit für das Schiedsrichterwesen

Mit dem Start der neuen Schiedsrichtergrundausbildung ist ein weiterer Meilenstein im Schiedsrichterportal gelungen. Noch ein Schritt in die richtige Richtung ist gemacht. Die neue, einheitliche Schiedsrichtergrundausbildung ist modern, effizient und flexibel durch die Schiedsrichterlehrwarte an der Basis nutzbar.

Durch die einheitlichen Vorgaben und das gleiche Vorgehen in ganz Deutschland könnten von den Anwärter*innen, z. B. bei bestehenden Terminkonflikten, einzelne Module auch in benachbarten Kreisen, Bezirken oder in anderen Landesverbänden absolviert werden (Thinking outside the box).

Die onlinebasierte Ausbildung entlastet das Ausbildungspersonal und die (inhaltliche) Vorbereitung in den Kreisen und Bezirken, da weniger Präsenzveranstaltungen notwendig sind. Die Ausbildungsfrequenz kann erhöht werden, es können das ganze Jahr Kurse angeboten werden.

Die vorliegende Version ist der erste Schritt in eine neue Ära der Schiedsrichtergrundausbildung im Deutschen Handballbund. Alle Landesverbände und ihre Untergliederungen sind aufgerufen, das Konzept verbindlich umsetzen und zu nutzen. Nur so können wir uns und unsere Anwärterausbildung anhand der jeweiligen Erfahrungen ausbauen und weiter verbessern.