Die neue Anwurfvariante und ihre Tücken

Ausgeführt oder nicht? Der heutige Pfiff der Woche präsentiert eine Videobeispiel rund um das Thema (neue) Ausführung des Anwurfs aus der Anwurfzone. Die Analyse des Videos mittels Screenshots zeigt folgenden Ablauf:

Nachfolgend die einschlägigen Regelbezüge

Regel 10:3b Auszüge zum Anwurf von der Anwurfzone

  • Der Anpfiff durch die Schiedsrichter kann erfolgen, wenn sich der Ball innerhalb der Anwurfzone befindet und der Werfer mindestens einen Fuß innerhalb der Anwurfzone hat (15:6; siehe Bild 1).
  • Der Werfer darf die Anwurfzonenlinie mit keinem Körperteil überschreiten, bevor der Wurf als ausgeführt gilt (13:1a, 15:7 Abs. 3; siehe Bild 3) ...
  • Der Anwurf gilt als ausgeführt, wenn (siehe auch Bild 3)
– der Ball zunächst die Hand des Werfers verlassen und anschließend die Anwurfzonenlinie vollständig überquert hat oder
– der Ball gepasst und von einem Mitspieler berührt oder kontrolliert wurde, obwohl dies innerhalb der Anwurfzone erfolgt ist ...
  • Die Spieler der abwehrenden Mannschaft müssen sich außerhalb der Anwurfzone befinden und dürfen Ball oder Gegenspieler innerhalb der Anwurfzone nicht berühren, bis der Wurf als ausgeführt gilt (15:4, 8:7c; siehe Bild 2). Sie dürfen sich direkt außerhalb der Anwurfzone aufhalten.

Regel 15:7 Abs. 3

Bei einer Wurfausführung mit Anpfiff sind grundsätzlich ebenfalls alle Regelwidrigkeiten zu ahnden, z. B. wenn der Werfer springt, den Ball länger als 3 Sekunden hält oder seine korrekte Position verlässt, bevor der Ball gespielt ist.

Dies gilt auch, wenn die Mitspieler nach dem Anpfiff, aber bevor der Ball die Hand verlassen hat, eine unkorrekte Position einnehmen (ausgenommen 10:3a Absatz 2). In diesen Fällen gilt der Wurf als ausgeführt und die andere Mannschaft erhält einen Freiwurf (13:1a) am Ort des Vergehens (siehe auch 2:6). Entsprechend 13:2 ist Vorteil zu gewähren, also nicht einzugreifen, falls die Mannschaft des Werfers den Ball unmittelbar nach der Regelwidrigkeit verliert [siehe Bild 4].

Fazit

Der Schiedsrichter hätten in diesem Fall auf Vorteil für die gegnerische Mannschaft entscheiden müssen. Die Korrektur mit erneuter Ausführung des Anwurfs für das Team ROT lässt sich regeltechnisch nicht begründen. Wenn die Schiedsrichter das Spiel unterbrechen und den Vorteil nicht gewähren, müsste auf Freiwurf für Team SCHWARZ entschieden werden (falsche Ausführung eines angepfiffenen Wurfs (15:7).

Eine zusätzliche Recherche hat ergeben, dass das Team ROT durch die regelwidrige Wiederholung des Anwurfs in den verbleibenden 27 Spielsekunden noch den Ausgleich zum 23:23 erzielen konnte. Dies wiederum hatte erheblichen Einfluss auf die Abschlusstabelle dieser Liga. Team GRÜN belegte den Relegationsplatz während sich Team ROT auf den gesicherten Platz 12 retten konnte.

Wäre das Spiel mit einem Sieg für Team GRÜN ausgegangen, hätten beide Teams in der Tabelle die Plätze getauscht. Letztlich konnte das Team ROT jedoch den Verbleib in der Liga sichern, da es beide erforderlichen Relegationsspiele für sich entscheiden konnte.

Das Beispiel zeigt ein weiteres Mal, wie bedeutsam auch einzelne Entscheidungen der Schiedsrichter sein können.