Quelle: DHB
Die letzten 30 Sekunden – eine besondere Herausforderung für Schiedsrichter
Was im Video geschieht
Mannschaft SCHWARZ ist im Angriff. Bei Spielzeit ca. 59:29 kommt der Pfiff des FSR zum Freiwurf für Team GRAU. GRAU 22 will den Freiwurf schnell ausführen und SCHWARZ 5 blockiert die Freiwurfausführung von Team GRAU (Spielzeit 59:33). Die Schiedsrichter unterbrechen das Spiel erneut und geben Time-out (Spielzeit 59:35). Nach kurzer Beratung entscheiden die Schiedsrichter auf Disqualifikation von SCHWARZ 5 und 7-Meter-Wurf für Team GRAU. Der Feldschiedsrichter pfeift den 7-Meter-Wurf von Team GRAU (GRAU 5) an. Dabei steht der FSR korrekt auf der Wurfarmseite und gibt neben dem akustischen Signal auch ein optisches Signal (rechter Arm nach vorn) – die Spielerin sieht in diesem Moment zum FSR. GRAU 5 macht aber keinerlei Anstalten den 7-Meter-Wurf auszuführen. Der FSR entscheidet dann auf Freiwurf für Team SCHWARZ, da GRAU 5 nach 3 Sekunden den 7-Meter-Wurf noch nicht ausgeführt hat (Spielzeit 59:40). GRAU 5 legt den Ball aber nicht nieder, sondern sie führt den 7-Meter-Wurf noch aus. Der FSR entscheidet auf Freiwurf für Team SCHWARZ an der 7-Meter-Markierung von Team SCHWARZ.
Wie hätten Sie entschieden?
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Wenn der Ball in den letzten 30 Sekunden nicht im Spiel ist und ein Spieler die Wurfausführung des Gegners verzögert oder behindert und damit der gegnerischen Mannschaft die Chance genommen wird, in eine Torwurfsituation zu kommen oder eine klare Torgelegenheit zu erreichen, ist der fehlbare Spieler zu disqualifizieren und der nicht fehlbaren Mannschaft ein 7-Meter-Wurf zuzusprechen. Dies gilt bei jeglicher Art der Wurfverhinderung, z. B. Vergehen mit begrenztem körperlichen Einsatz, Störung der Wurfausführung wie: Pass abfangen, Stören der Ballannahme oder durch Nichtniederlegen des Balls nach einer Freiwurfentscheidung gegen die angreifende Mannschaft oder durch Klammern des ausführenden Spielers.
In der ersten Situation haben die Schiedsrichter korrekt auf Disqualifikation von SCHWARZ 5 und 7-Meter-Wurf für Team GRAU entschieden (Regelbezüge: 13:8; 15:4; 8:10c; Guideline zu 8:10c; 16:6b; 16:8).
Zur zweiten Situation
Wird auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft entschieden, muss der ballführende Spieler den Ball sofort so fallen lassen oder niederlegen, sodass er spielbar ist (Regel 13:5). Geschieht dies nicht ist der fehlbare Spieler gemäß Regel 8:8b mit einer direkten Hinausstellung zu bestrafen.
Erfolgt das Vergehen in den letzten 30 Sekunden eines Spiels (bzw. in den jeweils letzten 30 Sekunden der 2. Halbzeit ggf. erforderlicher Verlängerungen) handelt es sich um ein Vergehen gemäß Regel 8:10c.
Im vorliegenden Fall hätten die Schiedsrichter aufgrund des Verhaltens von GRAU 5 bei der Ausführung des 7-Meter-Wurfs das Spiel erneut mit Time-out unterbrechen müssen. Nach kurzer Beratung hätte GRAU 5 disqualifiziert und auf 7-Meter-Wurf für Team SCHWARZ entschieden werden müssen.
Fazit
Zwei interessante Spielsituationen in den letzten 30 Sekunden in einem Spiel sind eher selten. In beiden Situationen hätte Regel 8:10c Anwendung finden müssen.