Quelle: DHB
GELB 13 wirft auf das Tor von Mannschaft WEISS. Der Ball trifft nur die Latte und springt dann zurück Richtung Spielfeld. Der Torwart WEISS läuft dem Ball nach. Während er sich im Torraum befindet, spielt er den Ball – welcher sich offensichtlich außerhalb des Torraums in der Luft befindet – zurück in den Torraum. Dort nimmt er den Ball auf und der Schiedsrichter entscheidet dann auf Freiwurf GELB.
Es ist dem Torwart erlaubt, den Torraum ohne Ball zu verlassen und im Spielfeld mitzuspielen. Der Torraum gilt als verlassen, sobald der Torwart mit irgendeinem Körperteil den Boden außerhalb der Torraumlinie berührt (5:3). Es ist auch erlaubt den Torraum mit dem nicht unter Kontrolle gebrachten Ball zu verlassen und ihn im Spielfeld weiterzuspielen (5:4).
In diesem Beispiel hat der Torwart WEISS den Torraum aber nicht verlassen.
Hier heißt es in Regel 5:7, dass es dem Torwart nicht erlaubt ist, den außerhalb des Torraums am Boden liegenden oder rollenden Ball zu berühren, solange er sich im Torraum befindet. Die Regel 5:8 sieht des Weiteren vor, dass es ihm auch nicht erlaubt ist, den außerhalb des Torraums am Boden liegenden oder rollenden Ball in den Torraum hereinzuholen.
In diesem Beispiel hat der Torwart WEISS weder den Torraum verlassen noch den liegenden oder rollenden Ball außerhalb des Torraums berührt bzw. in den Torraum hineingeholt. Der Torwart befindet sich im Torraum und der Ball ist in der Luft. Dies bedeutet, dass weder Regel 5:7 noch 5:8 als Regelbezug für die getroffene Entscheidung in Frage kommen.
Bevor wir zur korrekten Entscheidung kommen, betrachten wir den umgekehrten Fall. Wie ist zu entscheiden, wenn der Ball im Torraum liegt oder rollt und Spieler den Ball berühren?
Wenn der Ball im Torraum liegt, ist er aus dem Spiel und die Ballaufnahme ist ausschließlich dem Torwart erlaubt. Berührungen durch Mit- oder Gegenspieler führen immer zum Abwurf. Wenn der Ball im Torraum rollt, ist der Ball im Spiel und die Ballaufnahme ist auch ausschließlich dem Torwart erlaubt. Berührt ein Mitspieler den Ball, ist auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft zu entscheiden und erfolgt die Berührung durch einen Gegenspieler, ist auf Abwurf zu entscheiden.
Ist aber der Ball in der Luft über dem Torraum, bleibt der Ball im Spiel und darf jederzeit ohne Einschränkungen auch durch die Feldspieler gespielt werden (6:5).
Regel 5:7 und Regel 5:8 benennt explizit nur den außerhalb des Torraums am Boden liegenden oder rollenden Ball. Dies bedeutet analog zur Regel 6:5, dass der sich außerhalb des Torraums in der Luft befindliche Ball auch im Spiel bleibt und unter Beachtung der Regeln auch durch den Torwart gespielt werden kann und darf. Zum Zeitpunkt als der Torwart den Ball berührt, befindet sich dieser in der Luft (siehe auch nachfolgendes Bild).
Daher ist auf Freiwurf zu entscheiden in diesem Beispiel nicht korrekt. Die richtige Entscheidung wäre Abwurf Mannschaft WEISS gewesen.
Torwart SCHWARZ 12 springt in seinem Torraum ab, um einen weiten Bogenpass von WEISS 7 abzufangen. Er fängt den Ball in der Luft, landet mit einem Fuß im Torraum und mit dem anderen im Spielfeld. Aus dieser Position spielt er den Ball weiter zu SCHWARZ 3. Wie ist zu entscheiden?
a) 7-Meter-Wurf für Team WEISS
b) Weiterspielen lassen
c) Freiwurf für Team WEISS
d) Korrektur und Abwurf für Team SCHWARZ nach Anpfiff
Korrekte Entscheidung/Antwort ist hier d)
Hätte der Torwart in diesem Beispiel den Torraum verlassen und dann den Ball zurück in den Torraum gespielt, dann hätte gemäß Regel 6:7 entschieden werden müssen, da er dann den Spielregeln für die im Feld spielenden Spieler unterliegt.
Der Sonderstatus des Torwarts ist schon etwas Besonderes. Dennoch muss man auch die Feinheiten des Regelwerks kennen, um eine regelgerechte Entscheidung treffen zu können.
Unter der Rubrik "Wie würden Sie entscheiden?" veröffentlichen wir regelmäßig Spielsituationen, die interessante Regelaspekte beinhalten, sezieren und erläutern diese.