Quelle: DHB

Der Pass zum Anwurf

„Wenn der Pass des Torwarts zum Anwurf nicht wie geplant ankommt.“ oder auch: „Wenn der Pass des Torwarts zum Anwurf wie geplant nicht ankommt.“

Häufig ist zu beobachten, dass der Pass nach einem Tor durch den Torwart zum Werfer (aus den unterschiedlichsten Gründen) sehr unpräzise ist oder gar kein Werfer bereitsteht, um den Ball anzunehmen, und der Ball dann über die Mitte in die gegnerische Hälfte gespielt wird.  

Was im Video geschieht

Heimmannschaft SCHWARZ ist im Angriff und Mannschaft GRÜN spielt in Unterzahl in der Abwehr. Mannschaft SCHWARZ kann in der 45. Spielminute ein Tor zum 19:24 erzielen. Der Ball wird vom Torwart GRÜN sehr ungenau in Richtung Anwurfzone geworfen. Sein Mitspieler GRÜN 39 kann diesen jedoch nicht fangen. Der Ball geht weit über in die gegnerische Hälfte. Da Mannschaft SCHWARZ zurückliegt, spielen sie den Ball schnell zu GRÜN 39 zurück, der dann erst den Anwurf nach Anpfiff durch die Schiedsrichter ausführt. Das Spielt endete 27:29.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Zunächst sei erwähnt, dass es sich bei der Bewertung „passives Spiel durch Verzögerung des Anwurfs“ nicht um eine neue Regel, sondern um eine Auslegung handelt. Dabei haben die Schiedsrichter zu differenzieren, ob der sogenannte Überwurf oder schlechte Pass das Ergebnis eines eher unbeabsichtigten Fehlers ist oder ob damit eine gezielte Spielverzögerung verbunden sein soll. Den Schiedsrichtern kommt also die Aufgabe zu, passives Spiel als taktisches Mittel zu erkennen und entsprechend zu ahnden.

Gemäß der untenstehenden Übersicht ist bei erkennbaren Fangfehlern (selbst im Wiederholungsfall) kein Vorwarnzeichen passiv anzuzeigen. 

Der Überwurf führt bei jeder Mannschaft einmalig zur Ermahnung (gleichgültig ob in der ersten oder zweiten Halbzeit) und erst im Wiederholungsfall zum Vorwarnzeichen. 

Hier ist jedoch die Besonderheit zu beachten, wenn eine Mannschaft in Unterzahl spielt. Da liegt die Möglichkeit nahe, dass die Aktion bewusst mit dem Ziel eines Zeitgewinns erfolgt sein könnte. Deshalb soll in solchen Fällen direkt Time-out gegeben werden, damit die fehlbare Mannschaft aus ihrem Missgeschick keinen Vorteil erlangen kann. Schon deutlich vor dem Anpfiff – sinnvollerweise nachdem auf Time-out entschieden wurde – ist das Vorwarnzeichen passiv anzuzeigen, damit für beide Mannschaften Klarheit besteht. 

Bei einer erkennbaren Verzögerung der Anwurfausführung (z. B. Pass ist zu hoch, tief oder zu kurz) ist auch ohne Unterzahl das Vorwarnzeichen anzuzeigen (situativ kann auf Time-out entschieden werden). 

Hier nochmals die Übersicht:

Fazit

In dieser Situation hätten die Schiedsrichter sofort Time-out geben und nach dem Anpfiff zum Anwurf ( der übrigens zu früh erfolgte, der Spieler befand sich noch nicht in der Anwurfzone!) das Vorwarnzeichen für passives Spiel anzeigen müssen.

An dieser Stell verweisen auch nochmal auf den Beitrag vom 23.10.2023 (Wenn der Pass des Torwarts zum Anwurf nicht wie geplant ankommt).