Der Ball rollt in Richtung Spielfeld – Einschränkungen für den Torwart
Mit- und Gegenspieler dürfen den Ball erst berühren, nachdem er die Torraumlinie vollständig überschritten hat. Für den Torwart ergibt sich daraus eine taktisch wichtige Aufgabe: Er muss versuchen, den Ball unter Kontrolle zu bringen und für seine Mannschaft zu sichern. Gelingt ihm das nicht, besteht die Gefahr, dass ein Gegenspieler den Ball unmittelbar nach dem Verlassen des Torraums aufnimmt und dadurch eine aussichtsreiche Torchance erhält.
Was im Video geschieht
Mannschaft SCHWARZ befindet sich im Angriff. SCHWARZ 9 wirft auf das Tor. Der Ball prallt vom Pfosten ab und rollt anschließend im Torraum in Richtung Spielfeld. Angreifer SCHWARZ 38 wartet bereits außerhalb des Torraums darauf, den Ball aufzunehmen.
Der Torwart von Mannschaft GELB läuft dem Ball nach und spielt ihn rutschend mit den Füßen über die Torauslinie. Die Schiedsrichter unterbrechen das Spiel und entscheiden auf Freiwurf für Mannschaft SCHWARZ.
Regeltechnische Aspekte
Grundsätzlich ist gemäß Regel 12:1 (IV) auf Abwurf zu entscheiden, wenn der Ball, nachdem er zuletzt vom Torwart oder einem Spieler der anderen Mannschaft berührt wurde, die Torauslinie überschreitet.
Für den Torwart gilt jedoch eine wichtige Einschränkung:
Nach Regel 5:10 darf der Torwart den Ball, der sich im Torraum befindet und in Richtung Spielfeld bewegt, nicht mit dem Fuß oder dem Unterschenkel spielen oder berühren. Ein Verstoß wird gemäß Regel 13:1a mit einem Freiwurf für die gegnerische Mannschaft geahndet.
Diese Bestimmung ist im Zusammenhang mit Regel 5:5 zu sehen. Gerade das Spielen eines in Richtung Spielfeld rollenden Balls mit dem Fuß kann Mit- oder Gegenspieler gefährden, die darauf warten, den Ball nach dem Verlassen des Torraums aufzunehmen.
Anders verhält es sich, wenn der Ball in Richtung Torauslinie rollt. In diesem Fall darf der Torwart den Ball mit dem Fuß ins Toraus spielen. Die Spielfortsetzung erfolgt dann regelgerecht mit Abwurf.
Regeltechnische Bewertung
Im vorliegenden Beispiel bewegt sich der Ball eindeutig noch in Richtung Spielfeld. Deshalb ist es dem Torwart nicht gestattet, den Ball mit dem Fuß über die Torauslinie zu spielen.
Die Entscheidung der Schiedsrichter auf Freiwurf für Mannschaft SCHWARZ ist somit regeltechnisch korrekt.
Hinweis für die Schiedsrichterpraxis
Diese Szene verdeutlicht außerdem die Bedeutung eines guten Stellungsspiels. Der Torschiedsrichter verlässt bewusst seine Grundposition, um den Weg des Balls optimal beurteilen zu können. Nur aus diesem Blickwinkel lässt sich zuverlässig erkennen, ob sich der Ball noch in Richtung Spielfeld bewegt oder bereits in Richtung Torauslinie rollt. Diese Information ist für die richtige Regelanwendung entscheidend.
Merke: Entscheidend ist nicht, wohin der Torwart den Ball spielt, sondern in welche Richtung sich der Ball unmittelbar vor der Berührung bewegt. Rollt der Ball noch in Richtung Spielfeld, greift Regel 5:10. Rollt er dagegen bereits in Richtung Torauslinie, darf der Torwart ihn mit dem Fuß ins Toraus spielen.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.