Quelle: DHB

Der Anwurf

Beim Pfiff der Woche geht es heute um die Ausführung des Anwurfs aus der Anwurfzone und worauf es hierbei für die Schiedsrichter ankommt.

Was im Video geschieht

Mannschaft ROT erzielt ein Tor und Mannschaft GELB möchte schnell den Anwurf ausführen. Spielerin GELB 17 erhält den Ball von der Torhüterin kurz vor der Anwurfzone und läuft mit Ball in diese. Neben GELB 17 läuft ihre Mitspielerin GELB 10. Die Schiedsrichterin pfeift den Anwurf nicht an, sondern korrigiert stattdessen die Positionen von Mannschaft GELB und pfeift erst nach deren Korrektur den Anwurf an.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Der Anwurf ist innerhalb von drei Sekunden nach Anpfiff von der Anwurfzone in beliebiger Richtung auszuführen. Der Anpfiff durch die Schiedsrichter kann erfolgen, wenn sich der Ball innerhalb der Anwurfzone befindet und der Werfer mindestens einen Fuß innerhalb der Anwurfzone hat.

Der Werfer darf die Anwurfzonenlinie mit keinem Körperteil überschreiten, bevor der Wurf als ausgeführt gilt. Er darf sich innerhalb der Anwurfzone bewegen, den Ball jedoch nach dem Anpfiff nicht mehr prellen.

Der Anwurf kann im Laufen ausgeführt werden.

Die Mitspieler des Werfers dürfen die Mittellinie nicht vor dem Anpfiff überqueren, es sei denn, sie befinden sich innerhalb der Anwurfzone.

Als Leitsatz für die Auslegung von Regel 10:3 sollten die Schiedsrichter das Ziel berücksichtigen, die Mannschaften zur schnellen Ausführung des Anwurfs zu ermutigen. Dies bedeutet, dass sie nicht übertrieben genau sein und nicht nach Möglichkeiten suchen sollten, eine Mannschaft, die eine schnelle Wurfausführung versucht, zurückzupfeifen oder zu bestrafen. 

Der Feldschiedsrichter muss bereit sein, umgehend anzupfeifen, wenn der Werfer die korrekte Position erreicht – vorausgesetzt, es bedarf keiner Korrektur von Positionen anderer Spieler. Die Schiedsrichter müssen zudem berücksichtigen, dass die Mitspieler des Werfers die Mittellinie überqueren dürfen, sobald der Pfiff erfolgt ist. (Dies ist eine Ausnahme von der Grundregel bei der Ausführung von formellen Würfen).

In diesem Beispiel haben die Schiedsrichter die schnelle Ausführung des Anwurfs verhindert, denn GELB 17 hatte alle Bedingungen erfüllt (Ball und sogar beide Füße innerhalb der Anwurfzone), um den Anwurf anpfeifen zu können. Auch hatten ihre Mitspielerinnen zu diesem Zeitpunkt die Mittellinie noch nicht überquert. Selbst einen Moment später ist immer noch alles regelgerecht, um den Anwurf anzupfeifen.

Erst dadurch, dass der Anwurf nicht angepfiffen wurde, sondern die Schiedsrichterin gewartet hat, bis anscheinend die Werferin in der Mitte angekommen ist, hat ihre Mitspielerin GELB 10 nunmehr keine regelgerechte Position mehr.

Fazit

Wenn die Schiedsrichter das Ziel berücksichtigen möchten, die Mannschaften zur schnellen Ausführung des Anwurfs zu ermutigen, dann muss der Anwurf angepfiffen werden, wenn der Werfer als auch seine Mitspieler eine korrekte Position eingenommen haben. 

Hätte die Schiedsrichterin den Anwurf frühzeitig angepfiffen, dann hätte es keiner Korrektur bedurft. Gegenüber der bisherigen Anwurfausführung ist auch bei den Schiedsrichtern ein Umdenken erforderlich, um den Handball weiterhin attraktiv zu gestalten.