Bild: IMAGO/Lobeca

Der Abwurf im Wandel der Zeit

Der Abwurf gehört zu den unscheinbaren, aber spielentscheidenden Elementen im Handball. Heute ist er klar geregelt: Der Torwart führt den Abwurf ohne Pfiff des Schiedsrichters aus (Ausnahme: Regel 15:5b) und spielt den Ball aus dem Torraum über die Torraumlinie. Gegenspieler dürfen sich dabei zwar an der Torraumlinie aufhalten, den Ball jedoch erst berühren, wenn er die Linie vollständig überschritten hat (Regeln 15:4, 15:9, 8:7c, 8:8g).

Doch war das schon immer so?

Die klare Antwort lautet: nein.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Abwurf früher deutlich restriktiver gehandhabt wurde. Bis 1981 galt – vereinfacht gesagt – der „3-Meter-Abstand“: Die gegnerischen Spieler mussten mehr Abstand halten und durften sich nicht so offensiv an der Torraumlinie positionieren wie heute.

Ein Originalzitat aus dem Regelheft von 1975 verdeutlicht das. In Regel 12:5 heißt es:

„Die Gegner dürfen beim Abwurf die Freiwurflinie weder berühren noch überschreiten.“

In der Praxis bedeutete das: Die angreifende Mannschaft hatte deutlich mehr Raum, um den Ball vom Torwart ins Spiel zu bringen. Der Abwurf stand seltener unter unmittelbarem Druck und diente häufiger der Spielberuhigung als der schnellen Spieleröffnung.

Erst mit den Regelanpassungen Anfang der 1980er-Jahre wurde das Spiel dynamischer. Die Gegner rückten näher heran, der Abwurf wurde stärker in das Tempospiel integriert – ein weiterer Entwicklungsschritt hin zum modernen Handball.

Der vorliegende Bildausschnitt stammt aus dem Finale der Handball-Weltmeisterschaft der Männer 1978 in Dänemark. In einem dramatischen Endspiel setzte sich die Bundesrepublik Deutschland knapp mit 20:19 gegen die UdSSR durch.