Bild: IMAGO/Lobeca

Das Vorwarnzeichen wird 30!

Handzeichen der Schiedsrichter bei passivem Spiel – so lautete die Überschrift für ein Anschreiben an die Vereine der Hallenhandball-Bundesligen der Männer und Frauen vom damaligen Schiedsrichterwart Willi Hackl† am 22.07.1994. Grund des Anschreibens war die Information, dass ab der Saison 1994/1995 in den Bundesligen und Zweiten Bundesligen der Männer und Frauen ein Handzeichen zur besseren Zusammenarbeit mit Trainern und Spielern eingeführt wird.

Hierzu wurde der in der IHF-Kommission für Regelverbesserungen erarbeitete Text mitgeteilt:

Vorwarnzeichen für passives Spiel

Erkennt der Feldschiedsrichter die Entwicklung des passiven Spiels, hebt er einen Arm, um anzuzeigen, daß ein Versuch, zum Wurf auf das Tor zu gelangen, nicht erkennbar ist. Der Torschiedsrichter sollte dieses Zeichen übernehmen.

Grundsätzlich wird dann der Pfiff des Feldschiedsrichters wegen passiven Spiels erfolgen, wenn die betroffene Mannschaft jetzt keinen für ihn erkennbaren Versuch, zum Torwurf zu gelangen, unternimmt.

In einem Angriff, der erst mit Ballverlust endet, sollte dieses Zeichen nur einmal gegeben werden.

Ein sofortiger Pfiff wegen passiven Spiels bei klarer Situation (z.B. Zurückspielen des Balles weit in die eigene Hälfte) ist weiterhin möglich.

Dies war aber nicht die offizielle Regeländerung für die Saison 1994/1995, sondern das Vorwarnzeichen sollte zunächst in den vorgenannten Ligen getestet werden. Grund war, dass in der IHF-Regelarbeitsgruppe eine Maßnahme zur effektiveren Ahndung des sogenannten passiven Spiels diskutiert wurde.

Denn bis 1993 stand im Regelheft noch unter Regel 7:11

[Es ist nicht erlaubt] … den Ball im Besitz der eigenen Mannschaft zu halten, ohne daß eine Angriffsaktion oder ein Versuch zum Wurf auf das Tor zu gelangen, erkennbar ist. Dies ist passives Spiel und mit Freiwurf an der Stelle, an der sich der Ball bei der Spielunterbrechung befand, zu ahnden (13:1f).

Der Versuch in den Bundesligen hatte sich in der Testsaison 1994/1995 bewährt und wurde für die Saison 1995/1996 dann als Regeländerung im DHB auch für die Regionalverbände und Landesverbände beschlossen.

Komischerweise hat es den erarbeiteten Text aus dem Anschreiben aus dem Jahr 1994 aber nicht in das Regelheft geschafft. In der Ausgabe vom 01. August 1997 hieß es unter Regel 7:10:

[Es ist nicht erlaubt] … den Ball im Besitz der eigenen Mannschaft zu halten, ohne daß eine Angriffsaktion oder ein Versuch, zum Wurf auf das Tor zu gelangen, erkennbar ist. Dies ist passives Spiel, welches der Schiedsrichter durch ein Warnzeichen (Handzeichen 19) anzeigen sollte. Unternimmt nun die Mannschaft keinen erkennbaren Versuch, zum Torwurf zu gelangen, ist Freiwurf gegen die ballführende Mannschaft zu geben. Dieser ist an der Stelle auszuführen, an der sich der Ball bei der Spielunterbrechung befand (13:1f).

Der Regeltext (dann in Regel 7:11 und 7:12) wurde in den Jahren weiter angepasst, ohne aber, dass sich inhaltlich und in der Umsetzung wirklich etwas verändert hat. 

Denn es wurde bemängelt, dass die Regelbestimmungen zum passiven Spiel, insbesondere nach dem Vorwarnzeichen, zu unterschiedlich angewendet wurden. 

Erst mit der Regeländerung 2016 wurden objektive Kriterien den Schiedsrichtern vorgegeben, um zu einer einheitlichen Auslegung zu gelangen. Um zu konkreten und auch zu messbaren Kriterien für das passive Spiel nach Anzeige des Vorwarnzeichens zu gelangen, wurde der angreifenden Mannschaft nach dem Zeigen des Vorwarnzeichens maximal sechs Pässe zugestanden, um zu einem Torwurf zu gelangen.

Dies wurde dann in 2022 mit der Regeländerung auf dann nur noch 4 Pässe reduziert.

Fazit

Das Vorwarnzeichen feiert damit in der Saison 2024/2025 sein 30-jähriges Bestehen. Um dann zu messbaren Kriterien nach Anzeige des Vorwarnzeichens zu gelangen, hat es aber 22 Jahre bis zu einer Regeländerung gebraucht, die dann nach sechs Jahren weiter angepasst wurde.

Die Kriterien nach Anzeige des Vorwarnzeichens sind nunmehr (objektiv) geregelt. Noch immer nicht einheitlich in der Umsetzung ist aber der Weg dorthin.