Jutta Ehrmann-Wolf im Einsatz (Foto: IMAGO/wolf-sportfoto)
Das Interview ist gegeben, der Artikel geschrieben, das Video geschnitten – und dann ist der Tag der Veröffentlichung dar. Wenn es gut läuft, gibt es positive Kommentare unter dem Beitrag und vielleicht sogar das ein oder andere Lob per E-Mail, SMS oder Whats-App-Nachricht. Die Stimmung kann jedoch leider auch in die andere Richtung kippen – wenn in dem Artikel sachliche Fehler sind, ein Zitat falsch wiedergegeben wird oder sich unter dem Beitrag Beleidigungen sammeln.
Was für Möglichkeiten gibt es nach der Veröffentlichung, wenn man mit der Darstellung im Artikel zu kämpfen hat, die eigene Leistung nach Spielen unerwartet an den Pranger gestellt wird oder sich in den Kommentarspalten negative Äußerungen häufen?
Eine allgemein gültige Vorgehensweise für den Umgang mit unerfreulichen Medienberichten gibt es nicht. „Pauschal ist das schwierig, einen Ratschlag zu geben, denn es kommt immer auf den exakten Sachverhalt und den Kontext an“, sagt auch Jutta Ehrmann-Wolf, Leiterin des Schiedsrichterwesens im Deutschen Handballbund. Wenn man sich in einem veröffentlichten Beitrag unfair behandelt fühlt, empfiehlt sich aus ihrer Sicht im ersten Schritt, immer erst einmal die Ruhe zu bewahren.
„Oft ist es sinnvoll, wenn man nicht sofort reagiert“, so Ehrmann-Wolf. „Ich bin manchmal auch sehr emotional, aber ich habe über die Jahre gelernt, dass man das ein oder andere einfach ertragen muss.“ Kritisiert beispielsweise der Lokal- oder Regionalreporter in seinem Spielbericht die eigene Leistung an der Pfeife, heißt es: Augen zu und durch. „Man sagt ja nicht umsonst: Was heute in der Zeitung steht, interessiert morgen keinen mehr“, sagt Ehrmann-Wolf. „Das stimmt oft.“
Anders verhält es sich bei einer sachlich nicht korrekten Darstellung. Sollte es sich um unkomplizierte Fehler wie eine falsche Altersangabe, einen fehlerhaften Beruf oder andere Sachfehler wie Jahreszahlen, Spielanzahl oder ähnliche Details handeln, hat man die Möglichkeit, in einer kurzen E-Mail an den Journalisten und/oder die Redaktion um eine Korrektur zu bitten. Falls man keinen direkten Kontakt hat, ist das Kontaktformular auf der Webseite eine Möglichkeit. So können ggf. in der Onlineversion noch Anpassungen vorgenommen werden. Gedruckte Artikel lassen sich im Nachgang natürlich nicht mehr ändern, aber mit einem Korrekturhinweis lässt sich eventuell verhindern, dass ein Fehler wiederholt auftaucht.
Schwieriger ist es bei fehlerhaften Zitaten oder Textpassagen, die Tatsachen oder Meinungen suggerieren bzw. unterstellen, die nicht zutreffen. „Wenn in einem Artikel Dinge stehen, die komplett falsch dargestellt werden, empfehle ich dringend, sich Rat zu holen beim Schiedsrichterwart oder dem Landesverband bezüglich einer Klarstellung“, betont Ehrmann-Wolf.
Im Pressekodex, der Richtlinien für die journalistische Arbeit festlegt, heißt es in Ziffer 3 zur so genannten Richtigstellung: „Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.“
Dafür müsse für den Leser „erkennbar sein, dass die vorangegangene Meldung ganz oder zum Teil unrichtig war“, heißt es weiter. „Deshalb nimmt eine Richtigstellung bei der Wiedergabe des korrekten Sachverhalts auf die vorangegangene Falschmeldung Bezug. Der wahre Sachverhalt wird geschildert, auch dann, wenn der Irrtum bereits in anderer Weise in der Öffentlichkeit eingestanden worden ist.“
Dennoch gehört es zur Wahrheit, dass die erste (fehlerhafte) Schlagzeile wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit erregen wird als eine eventuelle Richtigstellung im Nachgang - und dass sich gerade bei gedruckten Zeitungen oder gesendeten Radio- bzw. Videobeiträgen der Bericht nicht komplett einfangen lässt. Bei einem unglücklichen Videostatement auf Instagram kann man um Löschung bitten, aber die gedruckte Tageszeitung wird auf jeden Fall verkauft.
Daher sollte man die größten Fettnäpfchen präventiv vermeiden – beispielsweise durch die Bitte um Autorisierung der Zitate im Vorfeld (siehe in Verbindung stehender Artikel). „Es ist gut, wenn Beiträge über Schiedsrichter erscheinen - ob Print, Online, Radio, Video oder Instagram -, aber jeder Schiedsrichter sollte das unbedingt absprechen mit seinem Verband“, rät auch Ehrmann-Wolf. „Auch unsere Spitzenleute halten immer eine kurze Rücksprache. Wenn es ein geschriebener Artikel ist: Unbedingt die Zitate freigeben im Vorfeld und eine neutrale Person drüber lesen lassen, um ein Feedback zu bekommen, wie die Aussagen wirken.“
Auf diese Weise lassen sich bei geplanten Beiträgen viele unglückliche Formulierungen vor der Veröffentlichung vermeiden. Um nicht aus Versehen in der Zeitung zu landen, rät Ehrmann-Wolf: „Gebt grundsätzlich keine Interviews in einer emotional aufgewühlten Verfassung – beispielsweise direkt nach dem Spiel, wenn vorher 60 Minuten die Luft gebrannt hat. So vermeidet ihr, etwas zu sagen, was ihr am nächsten Tag bereut. Passt daher auch auf, wer nach dem Spiel um euch herumsteht. Sonst zückt plötzlich jemand seinen Block und es wird ein Satz veröffentlicht, den man gar nicht veröffentlich haben wollte, weil man ihn aus der Emotion heraus gesagt hat.“
Nicht beeinflussen lässt sich hingegen die Reaktion der Leser bzw. Hörer auf einen Beitrag. Während die Kommentarspalten und Foren von Zeitungen oft noch moderiert werden (und dabei die Einhaltung einer Netiquette zu beachten ist), ist Social Media in diesem Punkt unkontrollierbar. 72,2 Prozent der Schiedsrichter:innen aus dem Elite- und Eliteanschlusskader gaben in einer Umfrage* im vergangenen November an, über Kommentare unter Postings von Medien/Zeitungen scho einmal beleidigt worden zu sein. Eine Möglichkeit an dieser Stelle ist es, die Kommentare zu melden bzw. bei den Betreibern um Löschung zu bitten und zudem justiziable Beleidigungen zur Anzeige zu bringen.
Um sich selbst an dieser Stelle zu schützen, hat Ehrmann-Wolf einen Ratschlag. „Ich gebe unseren Schiedsrichter:innen immer den Tipp, am besten gar keine Kommentare zu ihren Spielen zu lesen – die Guten ebenfalls nicht“, kommentierte sie. „Im Netz bewegen sich oftmals Menschen, die sich hinter der Anonymität verstecken und sich mit ihren Posts einfach in den Vordergrund bringen möchten.“
* An der anonymen Umfrage des Internetportale handball-world.news haben sich 36 von 42 Schiedsrichter:innen aus dem Elite- und Eliteanschlusskader beteiligt.