Quelle: DHB

Aufhebung des Vorwarnzeichens – und wann es immer noch gültig ist

Erkennen die Schiedsrichter eine Entwicklung zum passiven Spiel, heben sie den Arm (Handzeichen 17), um anzuzeigen, dass für sie ein gezieltes Herausspielen einer Torwurfgelegenheit nicht erkennbar ist. Nach Anzeigen des Vorwarnzeichens versuchen die Angreifer dann in der Regel eine gezielte Wurfsituation herauszuspielen, die nach maximal vier Pässen mit einem Torwurf enden sollte. Der heutige Beitrag befasst sich mit den Aufhebungsgründen des passiven Spiels.

Was im Video geschieht

Mannschaft BLAU ist im Angriff und die Schiedsrichter haben das Vorwarnzeichen angezeigt. BLAU 77 wirft auf das Tor, der Ball wird von der Abwehr geblockt und prallt anschließend vom Torpfosten über die Torauslinie. Die Schiedsrichter entscheiden auf Einwurf für Mannschaft BLAU. Ist dadurch das Vorwarnzeichen für passives Spiel aufgehoben oder nicht? 

Wie würden Sie entscheiden?

REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM SCHIEDSRICHTERWESEN DES DHB

Bei der Aufhebung des Vorwarnzeichens spielt es keine Rolle, ob vor oder nach dem 4. Pass der Torwurf erfolgt. 

Die Erläuterung 4 regelt diese Situation wie folgt: 

Wenn nach Anzeigen des Vorwarnzeichens die ballbesitzende Mannschaft einen Torwurf ausführt und der Ball vom Tor oder Torwart direkt zu ihr zurückprallt, ist die Beurteilung „Passives Spiel“ nicht länger gültig. Dies trifft auch zu, wenn ihr nach dem Torwurf ein Einwurf zugesprochen wird.

Beachte: Dies gilt auch, wenn ein Abwehrspieler unmittelbar vor oder nach dem Kontakt des Balles mit Tor oder dem Torwart diesen ebenfalls berührt oder berührt hatte.

In dem heutigen Beispiel führt die angreifende Mannschaft BLAU einen Torwurf aus. Der Ball geht, nachdem er von der abwehrenden Mannschaft geblockt wurde, knapp gegen den Torpfosten und von dort über die Torauslinie. Mannschaft BLAU wird daraufhin ein Einwurf zugesprochen. 

Damit sind die vorgenannten Bedingungen erfüllt und das Vorwarnzeichen ist nicht mehr gültig. 

Hinweis: Anschließend wird der ballbesitzenden Mannschaft zwar eine neue Aufbauphase gestattet, aber nach dem erfolglosen Angriff ist die Wiederaufbauphase kürzer.

Fazit

Auch wenn der Ball nur knapp gegen den Torpfosten prallt, ist das Vorwarnzeichen aufzuheben. 

Etwas diffiziler wird es, wenn der von einem Abwehrspieler geblockte Block wieder zurück in Richtung Spielfeld springt und sich Abwehr- wie Angriffsspieler um den Ball bemühen.

An dieser Stelle verweisen auf den Pfiff der Woche vom 16.01.2023 (Die Aufhebung des Vorwarnzeichens), der sich mit dieser Thematik auch beschäftigt.