Anwurfausführung und mögliche Probleme

Störaktionen von Abwehrspielern bei der Anwurfausführung kommen immer wieder vor – unabhängig davon, ob das Verhalten absichtlich oder unbeabsichtigt erfolgt. Solche Aktionen können den schnellen Anwurf und damit den Spielfluss erheblich beeinträchtigen. Für die Bewertung spielt es zunächst keine Rolle, ob der Spieler die Behinderung bewusst verursacht oder lediglich unaufmerksam ist. Entscheidend ist, dass durch das Betreten oder Kreuzen des Anwurfkorridors, das Blockieren des Balls oder das Beeinträchtigen des ausführenden Spielers der regelkonforme Ablauf des Anwurfs verhindert wird.

Was im Video geschieht

Nach einem schnellen Anwurf durch die Mannschaft GRÜN erzielt der Spieler GRÜN 7 ein Tor. Beim Zurücklaufen kreuzt der Torschütze den Anwurfkorridor. In diesem Moment spielt der Torwart der Mannschaft ROT den Ball zu einem für den Anwurf bereitstehenden Mitspieler. Dabei wird GRÜN 7 vom Pass des Torwarts getroffen. Die Schiedsrichter unterbrechen das Spiel (Time-out) und verhängen gegen GRÜN 7 eine Hinausstellung.

Regeltechnische Klarstellung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Um eine schnelle Ausführung des Anwurfs sicherzustellen, hat die IHF einen sogenannten Korridor mit drei unterschiedlichen Zonen definiert:

  • Die Anwurfzone (ROT)
  • Die orangene Zone (ein 3-Meter-Kreis um die Anwurfzone)
  • Die gelbe Zone (außerhalb der 3-Meter-Zone bis zur Torraumlinie)

Eine Markierung auf dem Spielfeld erfolgt jedoch nicht. Für die Beurteilung bzw. Bestrafung von Störaktionen ist zu unterscheiden, ob sich ein Abwehrspieler nach einem Torerfolg beim Zurücklaufen innerhalb des Korridors befindet oder diesen kreuzt. Wichtig: Der Abwehrspieler trägt die Verantwortung, nicht vom Ball getroffen zu werden.

1. Abwehrspieler läuft innerhalb des Korridors

Wenn nach einem Torerfolg der Abwehrspieler (zuvor Angreifer) zurück in seine Spielfeldhälfte läuft und durch den Pass zum Anwurfausführenden vom Ball getroffen wird, gilt folgende Auslegung:

  • Rote Zone: direkte Hinausstellung
  • Orangene Zone: direkte Hinausstellung
  • Gelbe Zone: keine Bestrafung
Abb. 1

Befindet sich der Abwehrspieler in der gelben Zone und stört dort aktiv die Ausführung des Anwurfs, ist auch in diesem Fall eine direkte Hinausstellung auszusprechen.

2. Abwehrspieler läuft in den Korridor hinein

Läuft der Abwehrspieler (zuvor Angreifer) nach einem Torerfolg beim Rückweg in seine Spielfeldhälfte in den Korridor hinein oder kreuzt diesen und wird dabei durch den Pass zum Anwurfausführenden vom Ball getroffen, gilt folgende Regelung:

  • Rote Zone: direkte Hinausstellung
  • Orangene Zone: direkte Hinausstellung
  • Gelbe Zone: direkte Hinausstellung
Abb. 2

Fazit

Spieler GRÜN 7 läuft auf dem Weg zurück in seine Spielfeldhälfte in den Korridor hinein bzw. kreuzt diesen und wird dabei durch den Pass zum Anwurfausführenden vom Ball getroffen. Unabhängig davon, in welcher Zone er getroffen wird (im vorliegenden Fall in der orangenen Zone), ist die Strafe stets eine direkte Hinausstellung. Die Entscheidung der Schiedsrichter ist daher korrekt.