Quelle: DHB

Anlauf außerhalb des Spielfelds

Die Spielfläche ist mit 40 mal 20 Meter eigentlich ausreichend, aber dies ist für manche Spieler nicht immer genügend. Für die Außenspieler wird das Spielfeld durch den Torraum sowie durch die Seiten- und Torauslinie begrenzt. Alle Linien gehören zu dem Bereich, den sie begrenzen, dürfen also entweder durch den Torwart (Torraumlinie) oder durch die Spieler (ein Teil der Torauslinie außerhalb des Torraums und/oder der Seitenlinie) berührt werden.

Ein falscher (regelwidriger) Vorteil, der leider in nahezu allen Leistungsbereichen vorkommt und selten beachtet, geschweige denn durch die Schiedsrichter sanktioniert wird, ist das Anlaufen der Außenspieler teilweise deutlich außerhalb des Spielfelds. Dies passiert insbesondere dann, wenn der Außenspieler aus dem Bereich des Schnittpunkts der Seiten- und Torauslinie (der Ecke) kommt.

Dass es aber auch positive Beispiele gibt, wollen wir heute zeigen, aber nochmals auf die richtige Spielfortsetzung hinweisen.

Was im Video geschieht

Mannschaft WEISS ist im Angriff und WEISS 22 spielt den Ball hinter dem Rücken weiter zum Rechts Außen (RA) WEISS 9, der deutlich außerhalb des Spielfeldes anläuft und den Ball annimmt, als sein rechter Fuß sich immer noch außerhalb des Spielfeldes befindet. RA WEISS 9 nutzt den Raum, springt in den Torraum und erzielt ein Tor. Der Torschiedsrichter entscheidet nicht auf Tor, sondern auf Abwurf Mannschaft ROT.

REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM SCHIEDSRICHTERWESEN DES DHB

Der RA startet hier ohne Ball deutlich außerhalb des Spielfelds und bei der Ballannahme befindet er sich immer noch mit einem Fuß außerhalb des Spielfeldes. WEISS 9 verschafft sich hier als Außenangreifer aufgrund des verlängerten Anlaufs außerhalb des Spielfelds sowie der Ballannahme mit einem Fuß außerhalb des Spielfeldes einen regelwidrigen Vorteil, gleichwohl die Ballannahme im Spielfeld stattfindet. Durch seine regelwidrige Ausgangssituation ist seine Anlaufgeschwindigkeit höher, er kann – da er den Raum hat und der Abwehrspieler Außen Links auch lässt – so viel weiter in den Torraum springen und damit seinen Wurfwinkel verbessern.

Sieht der Schiedsrichter den von außerhalb anlaufenden Spieler, ist sofort auf Freiwurf (Regel 7:10) für die gegnerische Mannschaft zu entscheiden!

Videobeispiel 2

Hier ein Beispiel, wie es nicht sein sollte. Der Außenspieler läuft deutlich außerhalb des Spielfeldes an, bekommt den Ball zugespielt und erzielt ein Tor. Er hat dadurch einen klaren Vorteil. Das Tor darf nicht zählen. Zu optimieren wäre hier das Stellungsspiel und der Beobachtungsbereich des Torschiedsrichters (früherer Blick nach Außen). Hier wäre eine sofortige Entscheidung auf Freiwurf für Mannschaft ROT die richtige Entscheidung gewesen.

Quelle: DHB

Fazit

Einen regelwidrigen Vorteil darf man als Schiedsrichter nicht gewähren. Mit der notwendigen Übersicht kann man schon vorher derartige Verhaltensweisen von Außenspielern erkennen und durch einen entsprechenden Hinweis an den Spieler vorbeugend handeln. Wenn er sein Verhalten aber nicht ändert oder wie in diesem Beispiel durch den Anlauf außerhalb des Spielfelds sich einen unberechtigten Vorteil verschafft, muss konsequent gehandelt werden. Es ist sofort auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft zu entscheiden!

Richtigerweise haben die Schiedsrichter die Situation gut erkannt, zumal auch die Bank sowie der Abwehrspieler dies bemerkt haben – aber die Spielfortsetzung ist nicht korrekt. Anstatt Abwurf hätte hier auf Freiwurf entschieden werden müssen.

Weitere Beispiele siehe hierzu im Pfiff der Woche vom 16.05.2022 (Ist das Spielfeld zu klein?).