Anlauf außerhalb des Spielfelds – regelwidriger Vorteil für Außenspieler

Die Spielfläche im Handball misst 40 × 20 Meter und bietet grundsätzlich ausreichend Raum für ein regelkonformes Angriffsspiel. Dennoch versuchen insbesondere Außenspieler immer wieder, sich zusätzliche Dynamik und bessere Wurfwinkel zu verschaffen, indem sie ihren Anlauf teilweise deutlich außerhalb des Spielfelds beginnen. Gerade im Bereich des Schnittpunkts von Seiten- und Torauslinie ist dieses Verhalten in nahezu allen Leistungsklassen regelmäßig zu beobachten – leider häufig ohne entsprechende Sanktionierung.

Dabei ist die Regel eindeutig: Für die Feldspieler wird das Spielfeld durch den Torraum sowie durch die Seiten- und Torauslinien begrenzt. Alle Linien gehören zu dem Bereich, den sie begrenzen. Sie dürfen also entweder vom Torwart – Torraumlinie – oder von den Feldspielern – Teile der Torauslinie außerhalb des Torraums und Seitenlinie – berührt werden. Ein Verlassen des Spielfelds zur Verbesserung der Spielsituation stellt einen regelwidrigen Vorteil dar.

Was im Video geschieht

Mannschaft Weiß befindet sich im Angriff. Weiß 22 spielt den Ball zum Linksaußen Weiß 6 weiter, der deutlich außerhalb des Spielfelds aus dem Bereich nahe der Ecke zwischen Seiten- und Torauslinie anläuft. Die Ballannahme erfolgt innerhalb des Spielfelds. Noch während des Torwurfs entscheidet der Torschiedsrichter auf Freiwurf für Mannschaft Rot.

Regeltechnische Einordnung

Der Außenspieler verschafft sich durch seinen außerhalb des Spielfelds begonnenen Anlauf einen klaren Vorteil. Durch den zusätzlichen Raum kann er eine höhere Anlaufgeschwindigkeit erreichen, weiter in den Torraum hineinspringen und dadurch seinen Wurfwinkel erheblich verbessern.

Entscheidend ist hierbei die regelwidrige Ausgangsposition des Spielers. Der Vorteil entsteht bereits durch den erweiterten Anlaufweg außerhalb der Spielfläche.

Nach Regel 7:10 ist deshalb unmittelbar auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft zu entscheiden.

Anforderungen an die Schiedsrichter

Solche Situationen erfordern von den Schiedsrichtern hohe Aufmerksamkeit und gute Übersicht. Besonders bei Angriffen über die Außenpositionen sollten sie frühzeitig auf das Verhalten der Spieler achten.

Präventive Kommunikation kann helfen, Regelverstöße bereits im Vorfeld zu verhindern. Erkennt der Schiedsrichter jedoch, dass sich ein Spieler durch den Anlauf außerhalb des Spielfelds einen Vorteil verschafft, ist konsequentes Eingreifen erforderlich.

Fazit

Ein regelwidriger Vorteil darf nicht toleriert werden – unabhängig von Spielklasse oder Spielsituation. Der außerhalb des Spielfelds begonnene Anlauf eines Außenspielers stellt eine klare Regelwidrigkeit dar, wenn dadurch Dynamik, Sprungweite oder Wurfwinkel verbessert werden.

Die Schiedsrichter im gezeigten Beispiel haben die Situation richtig erkannt und konsequent entschieden. Genau diese Konsequenz ist notwendig, um die Gleichbehandlung aller Spieler sowie ein regelgerechtes Spiel sicherzustellen.

Hinweis für die Praxis

Verlässt ein Spieler das Spielfeld ohne Ball, haben die Schiedsrichter ihn zunächst aufzufordern, unverzüglich auf das Spielfeld zurückzukehren. Kommt der Spieler dieser Aufforderung nicht nach, ist gemäß Regel 7:10 auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft zu entscheiden. Dies gilt selbstverständlich auch im Wiederholungsfall. Eine persönliche Bestrafung des fehlbaren Spielers ist hierbei jedoch nicht vorgesehen (Regel 7:10, Abs. 2).

Darüber hinaus ist zu beachten: Erfolgt die Ballannahme in dem Moment, in dem ein Körperteil – in der Regel ein Fuß – den Boden außerhalb der Spielfläche berührt, liegt ebenfalls ein regelwidriges Verhalten vor. In diesem Fall ist gemäß Regel 7:10 sofort auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft zu entscheiden.

Gerade bei Außenspielern ist daher besondere Aufmerksamkeit erforderlich, da sowohl der verlängerte Anlauf außerhalb des Spielfelds als auch die Ballannahme mit Bodenkontakt außerhalb der Spielfläche einen regelwidrigen Vorteil darstellen können.