David und Christian Hannes (IMAGO/wolf-sportfoto)

10 Tipps von Christian Hannes für deine ersten Spiele als Schiedsrichter

Die ersten Einsätze als Schiedsrichter sind extrem aufregend. Der frühere Bundesliga-Referee Christian Hannes, der sich heute in der Nachwuchsförderung engagiert, formulierte im November 2026 zum „Tag des Schiedsrichters“ zehn Tipps für den Einstieg.

Glückwunsch! Du hast die Ausbildung bestanden und darfst jetzt deine ersten Spiele pfeifen. Damit du gut in eine hoffentlich lange Schiedsrichterlaufbahn startest, möchte ich dir folgende Tipps mitgeben. Ich wünsche dir tolle Erlebnisse an der Pfeife und viel Erfolg!


1. Hab Spaß (und versuche, nicht zu verkrampfen)!

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum man sich für dieses Ehrenamt entscheidet: aus Liebe zum Handball, aus Verantwortungsgefühl, wegen des Interesses an Gerechtigkeit oder um das Taschengeld aufzubessern. Warum du dich entschieden hast, ist nicht entscheidend – wichtig ist, dass es dir Spaß macht!

Ob du mit deinem Teampartner einen Witz machst oder in der Halbzeit mit dem Kampfgericht flachst: Gönn dir bei aller Ernsthaftigkeit Momente des Spaßes! Das steckt an und sorgt für eine entspanntere Atmosphäre. Mein Bruder und ich haben einmal unsere Hosen vergessen – wir haben darüber gelacht, statt uns anzupflaumen. Mit Leihhosen konnten wir trotzdem gut gelaunt ins Spiel gehen.


2. Bitte aktiv und gezielt um Feedback!

Egal ob Trainer oder der Schiedsrichter des nachfolgenden Spiels: Bitte aktiv um Rückmeldung – positiv wie negativ. Frage zum Beispiel gezielt nach einer Sache, die du gut gemacht hast, und nach einer, die du verbessern kannst. Mit dieser klaren Frage erfährst du oft viel mehr.


3. Fokus statt Fehler

Gerade am Anfang möchte man nichts falsch machen. Das wird nicht gelingen – und das ist vollkommen okay.

Damit Fehler nicht deinen Kopf vernebeln, nimm dir vor dem Spiel eine Sache vor, auf die du besonders achten möchtest. Das kann sein: „Ich pfeife heute laut“ oder „Ich zeige alle Handzeichen sauber und vor dem Körper“.

Wenn du im Spiel über einen Fehler grübelst, erinnere dich an deinen Vorsatz und konzentriere dich darauf.


4. Schreib dir einen Spickzettel (den du wahrscheinlich gar nicht brauchst)

Du wirst neue Situationen erleben, die du noch nicht kennst. Wenn dich das nervös macht, schreib dir auf, wie du reagieren möchtest.

Beispiel: Angst vor einem ausrastenden Elternteil? Notiere: „Ich gehe zum Heimverantwortlichen und bitte ihn, auf die Zuschauer einzuwirken.“

Aus Erfahrung: Die meisten Sorgen-Szenarien passieren nie – aber wenn doch, bist du vorbereitet.


5. Sprich über deine Erfahrungen

Du bist mit deinen Erlebnissen nie allein. Sprich darüber – mit Familie, Freunden, anderen Schiedsrichtern oder Trainern aus deinem Verein. Das hilft und fördert deine Fähigkeit zur Selbstreflexion.


6. Bleib bei dir!

Die ersten Spiele sind aufregend und voller neuer Eindrücke. Bleib deshalb ganz bei dir und halte dich aus Nebenschauplätzen heraus:

  • poste vorsichtig in Social Media (lieber weniger als mehr),
  • kommentiere im Spiel nicht das Verhalten anderer,
  • erkläre deinem Kollegen nicht während des Spiels ungefragt, was er falsch macht – er macht es nicht absichtlich.

Konzentriere dich auf deine Aufgaben.


7. Lerne durch Zuschauen!

Wie Spieler sich Tricks bei Vorbildern abschauen, kannst du das als Schiedsrichter auch. Schau Bundesliga-Spiele und achte auf Auftreten, Kommunikation und Körpersprache.

Oder wenn du noch selbst spielst: Beobachte die Schiedsrichter in deinen eigenen Spielen. Das gibt dir viele Ideen.


8. Tausche Pfeifen gegen Feedback

Übung macht den Meister – auch beim Pfeifen. Frag die Trainer der E‑, D‑ oder C‑Jugend, ob du am Ende des Trainings ein Spiel leiten darfst und sie dir Feedback geben. Viele Trainer sind froh, wenn sie nicht selbst pfeifen müssen – und du kannst ohne Wettkampfdruck üben. Win-Win!


9. Lauf dich warm!

Kurz gesagt: Wärm dich vor jedem Spiel auf – selbst bei E‑Jugend. Das ist körperlich sinnvoll und hilft, eine Routine für deinen Schiedsrichtertag zu entwickeln.


10. Vertrau dir und pfeif, was du siehst!

Unsicherheit gehört dazu. Wichtig ist: Vertrau dir! Du hast die Ausbildung gemacht – viele andere in der Halle nicht. Pfeif das, was du siehst. Nach dem Spiel kannst du reflektieren, ob eine Entscheidung richtig war.

Im Spiel gilt: durchziehen.

Du kannst das!